Finanzkrise
Bürger lehren Regierende das Fürchten

Die globale Finanzkrise treibt die Regierungen besonders hart getroffener Länder in die Enge. In Lettland und Irland haben Enthüllungen über unsaubere Geschäftspraktiken, Vetternwirtschaft sowie Sparmaßnahmen bei Staatsbediensteten zu Protesten gegen die Regierung geführt. Vielerorts droht die Lage zu eskalieren - Streikaktionen sind vorprogrammiert.

LONDON/STOCKHOLM. In Lettland ist am Freitag mit Ivars Godmanis der erste Regierungschef eines EU-Landes nach Protesten gegen seine Wirtschaftspolitik zurückgetreten. In der irischen Hauptstadt Dublin demonstrierten am Wochenende mehr als 100 000 Menschen gegen den Umgang der Regierung mit der Bankenkrise - jeder 40. Ire war also dabei. Der von den Gewerkschaften organisierte Protest richtet sich dagegen, dass Premier Brian Cowen die Gehälter der Staatsbediensteten kürzt, um die Bankenrettung zu finanzieren.

Eine Elite aus Unternehmern und Bankern habe die Wirtschaft zerstört und werde dafür nicht zur Rechenschaft gezogen, kritisierte David Begg, Generalsekretär des Gewerkschafts-Dachverbandes ICTU, auf der Demonstration, die eine der größten der irischen Geschichte war. Ihre Vetternwirtschaft habe den Ruf des Landes fast irreparabel beschädigt. Die Chefs der großen Banken hätten sich des "ökonomischen Hochverrats" schuldig gemacht.

Frische Munition für die Kritik lieferte ein am Vorabend der Demonstration veröffentlichter Bericht der Wirtschaftsprüfungsfirma PWC über die Zustände bei der Ende 2008 verstaatlichten Anglo Irish Bank. Die drittgrößte irische Bank hatte sich in besonderem Maße als Finanzier des irischen Immobilienbooms betätigt und bediente sich nach dem Platzen der Blase unsauberer Geschäftspraktiken, um ihre finanzielle Schieflage zu verschleiern. So ließ sie sich Ende September kurzfristig sieben Mrd. Euro von der Versicherungsgruppe Irish Life & Permanent überweisen und zahlte sie gleich nach dem Bilanzstichtag zurück. Zudem schildert der PWC-Bericht, wie sie zehn bevorzugten Kunden 300 Mio. Euro lieh, damit diese Anglo-Irish-Aktien kauften und den Kurs stützten.

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