Finanzkrise
EU plant Stresstests für Europas Großbanken

Die Europäische Union will dem Vorbild der USA folgen und das Bankensystem in der Finanzkrise mit einem Belastungstest auf Herz und Nieren prüfen. Die Ergebnisse der Überprüfungen sollen offenbar nicht veröffentlicht werden, was auf Widerstand beim zuständigen EU-Kommissar Almunia stößt. Der will wohl mehr und spricht bereits von der „Offenlegung von Abschreibungen und Verlusten“.

HB BRÜSSEL. „Wir haben seit Anfang der Krise gesagt, dass die richtige Offenlegung von Abschreibungen und Verlusten eine der nötigen Voraussetzungen für das Funktionieren der Bankenbranche ist“, sagte der spanische EU-Finanz- und Währungskommissar Joaquín Almunia der Nachrichtenagentur dpa. „Ein Stresstest sollte dabei helfen.“

Die USA hatten in der vergangenen Woche die Ergebnisse eines heimischen Belastbarkeitstests veröffentlicht, wonach zehn Kreditinstitute ein zusätzliches Finanzpolster von insgesamt knapp 75 Mrd. Dollar benötigen.

Anders als in den USA solle in der EU aber nicht der Kapitalbedarf einzelner Geldhäuser, sondern des gesamten Systems ermittelt werden, verlautete aus Brüsseler EU-Kreisen weiter. Dabei soll geklärt werden, ob der Bankensektor auch für eine Verschärfung der Finanzkrise gewappnet ist. Eine entsprechende Entscheidung sei von den EU-Finanzministern (Ecofin) gefasst worden. Anders als Almunia will der Ecofin-Rat allerdings keine Offenlegung der Ergebnisse. Demnach hat man sich darauf verständigt, den halbjährlichen Routinebericht zur Finanzmarktstabilität auszuweiten und einen besonderen Fokus auf die Großbanken zu legen. Allerdings soll der Stresstest weder Zahlen noch Ergebnisse für einzelne Banken ergeben, sondern nur einen Überblick.

Die Stresstests sollen demnach vom Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) organisiert werden und bis September abgeschlossen sein. Der CEBS setzt sich aus ranghohen Vertretern der nationalen Bankaufsichtsbehörden und Notenbanken der EU sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. Vorgenommen werden sollten die Tests allerdings von nationalen Aufsichtsbehörden nach gemeinsamen Kriterien und Methoden.

In den USA waren die Stresstests vorige Woche abgeschlossen worden. Dabei überprüfte die US-Regierung konkret, wie groß der Kapitalbedarf von 19 Großbanken bei einer Verschärfung der Rezession ist. Die meisten Institute schnitten dabei besser ab als befürchtet: Zehn von 19 Banken müssen ihr Kapital um insgesamt 75 Mrd. Dollar aufstocken und wollen die Mittel dazu größtenteils aus eigener Kraft aufbringen.

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