Finanzkrise
EZB will Liquiditätshilfen für Banken zurückfahren

Die amerikanische Notenbank Fed mag bei ihrer Liquiditätspolitik großzügig sein, die Europäische Zentralbank schlägt einen ganz anderen Kurs ein. Abbau statt Aufbau der Hilfen ist angesagt. Und die Finanzkrise könnte sogar grundsätzliche Änderungen im geldpolitischen Rahmen der Notenbank erforderlich machen.
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FRANKFURT. Ungeachtet der großzügigen Liquiditätspolitik der US-Notenbank Fed wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre krisenbedingten, unkonventionellen Liquiditätsmaßnahmen weiter abbauen. Das sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bei einer Veranstaltung im Rahmen der „Euro Finance Week“: „All unsere unkonventionellen Maßnahmen – die verstärkte Kreditgewährung und das Ankaufprogramm für Staatsanleihen – waren außergewöhnliche Antworten auf außergewöhnliche Umstände und sind als solche vorübergehender Natur.“

Grundsätzlich sei die Zinspolitik strikt von der Versorgung der Märkte mit Liquidität zu trennen, erklärte Stark. Diese Trennung stelle sicher, dass die Märkte aus der Liquiditätsversorgung keine Rückschlüsse auf die künftige Zinsentwicklung ziehen könnten. Während die EZB bereits seit Dezember 2009 ihre langfristigen Refinanzierungsgeschäfte nicht mehr neu aufgelegt hat und nur noch sehr verhalten Staatsanleihen kauft, kündigte die Fed Mitte Oktober an, für 600 Mrd. Dollar Staatsanleihen zu kaufen.

Die Amerikaner sind dafür von vielen Ökonomen und auch von den Schwellenländern heftig kritisiert worden. Befürchtet wird, dass sie Inflation exportieren könnten. Das im Mai vom EZB-Rat beschlossene Ankaufprogramm für Staatsanleihen (Security Markets Programme, SMP) beläuft sich dagegen gerade mal auf 65 Mrd. Euro. Der Ankauf von Pfandbriefen in Höhe von 60 Mrd. Euro wurde bereits im Juni abgeschlossen. Beibehalten hat die EZB bisher die unbegrenzte Zuteilung von Liquidität zum geltenden Notenbankzins von einem Prozent und das SMP.

Trotz der jüngsten Spannungen bei Teilen der europäischen Staatsanleihen habe sich die Situation an den Geld- und Finanzmärkten während der letzten Monate erheblich entkrampft, sagte der EZB-Chefvolkswirt. Seit dem 30. Juni sei die Nachfrage nach Liquidität der EZB um rund ein Drittel von 881 Mrd. Euro auf jetzt 510 Mrd. Euro zurückgegangen. Als Folge davon sei die Überschussliquidität um rund 60 Prozent gesunken – von 220 Mrd. Euro Ende Juni auf nur noch 87 Mrd. Euro.

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