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Finanzkrise: Finanzwelt steht vor tiefen Einschnitten

Noch liegen die Ergebnisse des Londoner Gipfels der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nicht auf dem Tisch. Doch schon jetzt ist klar, dass die Finanzwelt, und vor allem die Bankenbranche, in Zukunft völlig anders aussehen wird als vor Ausbruch der Krise.

LONDON. Analysten und Berater rechnen mit einer Machtverschiebung in Richtung der Schwellenländer und einer Neuordnung der Geschäftsmodell. Sie halten sogar eine Wiedereinführung des Trennbankensystems für möglich, wie es in den USA bis Ende der 90er-Jahre vorgeschrieben war.

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"Egal was die G20 heute entscheiden, die Bankenwelt hat bereits eine dramatische Umwälzung hinter sich", meint Steve Culp von der Beratungsgesellschaft Accenture. Die Verwerfungen der Finanzkrise hätten dafür gesorgt, dass einige der wirtschaftlich stärksten Geldhäuser inzwischen aus den Emerging Markets kämen (siehe Tabelle).

Culp rechnet mit einer Welle von Notverkäufen von Unternehmensteilen und Vermögenswerten westlicher Banken. Als Profiteure dieser Übernahmewelle sieht er die großen Institute der Schwellenländer, die bislang deutlich besser durch die Krise gekommen seien als ihre westlichen Konkurrenten. "Die Banken aus den Emerging Markets werden diesen Vorteil nutzen, um ihre Marktanteile auszubauen", zeigt sich Culp überzeugt. Diese geografische Machtverschiebung sei ein Symbol für den Umbruch in der Finanzbranche.

Während die G20 auch einen Tag vor dem Gipfel in vielen Punkten offenbar noch keine Übereinkunft erzielt haben, scheinen sich die Regierungschef in einem Punkt einig zu sein. Die Banken sollen in Zukunft mit einem deutlich dickeren Eigenkapitalpuffer operieren. Außerdem zeichnet sich ab, dass die Regulierer rund um den Globus eine fixe Obergrenze für die Verschuldung der Geldhäuser einführen werden.

"Diese Vorschläge markieren einen tiefen Einschnitt", warnt Bill Wellbelove von der Prüfungsgesellschaft KPMG. Profitabilität und Innovationskraft könnten unter der Reform empfindlich leiden. Die Rentabilität ganzer Geschäftsbereiche müsse nach Einführung der neuen Maßnahmen überprüft werden. Vor allem das Investment-Banking werde nie wieder so profitabel sein wie während des Booms.

Dabei handelt es sich keineswegs um unerwünschte Nebenwirkungen sondern um Absicht. So will die britische Finanzaufsicht FSA die Banken zwingen, für ihre Positionen im Wertpapierhandel künftig drei Mal mehr Eigenkapital vorzuhalten als bisher, um die riskantesten Geschäfte unattraktiv zu machen. "Die Bankenwelt wird weniger gewinnträchtig, aber auch weniger gefährlich sein", machte FSA-Chairman Adair Turner klar.

Aber den Geldhäusern könnten noch tiefere Einschnitte drohen. Nicht nur Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps auch führende Banker halten inzwischen eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken für sinnvoll. Dabei geht es im Prinzip um eine Neuauflage des Glass Steagall Acts, der 1933 als Folge der großen Depression in den USA erlassen wurde. Nach mehreren Modifizierungen wurde das Gesetz 1999 unter Präsident Bill Clinton komplett aufgehoben. Ursprünglich ging es darum, durch eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken zu verhindern, dass die staatlich garantierten Einlagen privater Kunden von den Banken zu leichtsinnig für riskante Finanzeschäfte aufs Spiel gesetzt werden. Große Universalbanken wie die Citigroup oder JP Morgan, aber auch die Deutsche Bank müssten bei einer globalen Neuauflage von Glass Steagall ihr Investment-Banking aufgeben oder drastisch einschränken.

"Eine solche Trennung könnte am Ende helfen, um eine Wiederholung der aktuellen Krise zu verhindern", meint Michael Bonacker Bankenexperte, vom japanischen Geldhaus Nomura. Bonacker müsste wissen, wovon er spricht. Schließlich hat er für die kollabierte Investmentbank Lehman Brothers gearbeitet, bevor deren europäischen Reste von Nomura übernommen wurden.

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