Finanzkrise
G-7-Staatschefs sind alarmiert

Auch wenn die Finanzminister der G-7-Staaten derzeit kein Sondertreffen wegen der von der US-Hypotheken-Krise ausgelösten Finanzturbulenzen planen, ist die Politik aufgerüttelt. Die Staats- und Regierungschefs zeigen sich zunehmend besorgt. Ökonomen warnen vor weitreichenden Folgen der Krise.

HB CRAWFORD/PARIS. Der Grund ist stets derselbe: Die Hypothekenkrise in den USA sorgt weltweit für Verluste an den Finanzmärkten. Weil sich Banken und Hedgefonds mit schlechten Krediten übernommen haben, droht der gesamten Finanzbranche ein Abwärtsstrudel.

Die Entwicklung alarmiert nun auch die Politik. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs versuchten am Donnerstag erneut zu beruhigen. Die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft seien stark, und das Wachstum halte an, sagte ein Sprecher des US-Präsidenten George W. Bush an dessen Urlaubsort in Texas.

Auch die französische Wirtschaft dürfte unbeschadet aus der Krise hervorgehen, sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Falls nötig, könnten jedoch die G-7-Finanzminister noch vor ihrem nächsten regulären Treffen im Oktober über notwendige Schritte beraten.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist das nicht geplant“, sagte am Freitag ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage. „Sie können allerdings davon ausgehen, dass die zuständigen Personen selbstverständlich miteinander dazu in Kontakt stehen“, ergänzte er. Man müsse die Entwicklung an den Finanzmärkten genau beobachten. „Wir haben aber keine Anhaltspunkte, dass es davon negative Konsequenzen auf unsere an sich robuste Konjunktur gibt“, sagte der Sprecher weiter.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Rande einer Veranstaltung erklärt, die führenden Industrieländer stünden wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten in engem Kontakt. Darüber hinaus wollte der Finanzminister am Freitag in Frankfurt nichts sagen. „Jede Bemerkung, jeder Satz, jedes Wort, das ich ex kathedra sage, kann bei der hohen Nervosität und Volatilität missinterpretiert werden“, sagte der Minister, der zum 50. Jubiläum der Deutschen Bundesbank eine Briefmarke und eine Sondermünze vorstellte.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mahnte zuvor in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich beim G-7-Treffen für mehr Transparenz an den Finanzmärkten stark zu machen. Die Freiheit an den Märkten bedeute nicht, dass das „Gesetz des Dschungels“ herrsche, sagte er später im Rundfunksender RTL. Die Regierungen seien an dieser Stelle nicht machtlos.

Grund für die zunehmende Aufregung in der Politik dürften auch Warnungen sein, dass die Krise sich doch auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte. Dies war zuvor von den meisten Ökonomen für unwahrscheinlich gehalten worden. US-Finanzminister Henry Paulson erklärte dagegen am Donnerstag, er erwarte Wachstumseinbußen durch die weltweite Krise an den Kreditmärkten. Die Neubewertung von Risiken am Finanzmarkt sei kaum eine Überraschung und unvermeidlich, sagte Paulson dem „Wall Street Journal“.

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