Finanzkrise in Frankreich
Sarko setzt auf starken Staat

Nach der Finanzkrise setzt Frankreich auf den starken Staat: Präsident Nicolas Sarkozy gibt den Banken Milliardenkrediten mit harten Auflagen - und möchte die Schlüsselindustrien teilweise verstaatlichen.

PARIS. Während sich die meisten deutschen Banken noch zieren, schlägt die Konkurrenz jenseits des Rheins zu: Unter dem sanften Druck des Staates zapfen die sechs größten französischen Institute gemeinsam Milliarden aus dem staatlichen Rettungsfonds an. Mit ihrer Finanzspritze über 10,5 Mrd. Euro will die französische Regierung vor allem gewährleisten, dass die heimischen Geldhäuser die Wirtschaft besser mit Krediten versorgen. Im kommenden Jahr will Paris den Banken noch einmal dieselbe Summe zur Verfügung stellen. Die Aktienkurse einzelner Institute schossen gestern daraufhin an der Pariser Börse in der Spitze um bis zu 14 Prozent nach oben. Bereits vor zwei Wochen hatte Paris die Geschäftsbedingungen für die Banken gelockert, damit diese die Kreditversorgung ausweiten können.

Mit dem frischen Geld sollen die französischen Institute zudem den Konkurrenzkampf mit anderen europäischen Banken bestehen können, die bereits eine Kapitalspritze erhalten haben. Viele dieser Konkurrenten haben schon eine Eigenkapitalquote (Tier 1) von neun Prozent. Zahlreiche französische Geldinstitute liegen nur bei etwa acht Prozent. Die neue Maßnahme hebt diese Kennziffer im Durchschnitt um 0,5 Prozentpunkte an. Frankreichs Banken gelten als vergleichsweise solide kapitalisiert, bei Problemkandidaten wie Crédit Agricole wurde schon vor Monaten das Kapital erhöht. Crédit Agricole ist mit drei Mrd. Euro auch der größte Nutznießer der staatlichen Rekapitalisierung, 2,55 Mrd. Euro sind für die BNP Paribas vorgesehen. Auf Platz drei folgt die Société Générale mit 1,7 Mrd. Euro. Crédit Mutuel soll 1,2 Mrd. bekommen, die Sparkasse Caisse d?Epargne 1,1 Mrd. und die Genossenschaftsbank Banque Populaire 0,95 Mrd. Euro.

Die Kapitalspritze gibt der Staat in Form von nachrangigen Anleihen und nicht in Form von Aktien. Der Vorteil für die Banken ist einmal eine schnelle Abwicklung. Zudem erhält der Staat keine Stimmrechte und damit keinen Einfluss auf die Geschäfte der Bank, so wie es in Deutschland geplant ist. Die Form der Eigenkapitalstärkung hat auch keine Verwässerung für die Altaktionäre zur Folge, weil keine neuen Aktien ausgegeben werden.

Als Verzinsung der Anleihen zahlen die Banken laut Finanzministerium einen Aufschlag von 400 Basispunkten auf den risikolosen Zins. Die Eigenkapitalspritze ist allerdings an Auflagen gebunden: Die Banken müssen sich zum einen verpflichten, das Volumen der ausgegebenen Kredite zu erhöhen. So sollen die Kredite für Unternehmen, Gemeinden und Bürger pro Jahr um drei bis vier Prozent erhöht werden. Präsident Nicolas Sarkozy will ihnen zudem Geschäfte mit ausländischen Steuerparadiesen verbieten. Auch sollen die Banken Abfindungen für Manager kappen und die Managergehälter begrenzen. Eine Obergrenze, die im Rahmen des deutschen Hilfspakets bei 500 000 Euro liegt, gibt es hingegen nicht.

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