Finanzkrise
Island verstaatlicht größte Bank Kaupthing

Seit Wochenbeginn hat Island angesichts der internationalen Finanzkrise schon das zweitgrößte Geldinstitut Landsbanki sowie die drittgrößte Bank Glitnir verstaatlicht – nun wird auch Islands größte Bank Kaupthing unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Ein Kollaps des isländischen Bankensystems könnte auch Konsequenzen für Bankkunden auf dem europäischen Festland haben.

HB REYKJAVIK. Island versucht mit allen Mitteln, Herr der Lage über das angeschlagene Finanzsystem des Inselstaats zu werden. Die inländischen Einlagen seien gesichert, erklärte die isländische Finanzaufsicht. Was mit den Auslandseinlagen unter anderem in Deutschland geschieht, war zunächst unklar. In Schweden will Kaupthing begonnen, die Spareinlagen binnen einer Woche an die Kunden mit Zinsen zurückzuzahlen. In der Schweiz, Belgien und Luxemburg hat Kaupthing den Betrieb vorrübergehend eingestellt.

Kaupthing hatte in den vergangenen Monaten in mehreren europäischen Ländern mit hohen Sparzinsen Kunden gelockt. Noch Anfang der Woche erklärten Bankenmanager, dass die Liquidität von Kaupthing gesichert sei. Aufgrund der angespannten Lage hat die isländische Börse Naqsdaq OMX beschlossen, den Handels bis zum kommenden Monatg auszusetzen.

Die isländische Regierung will mit der Zwangsverwaltung der drei großen Banken einen vollständigen Kollaps des Finanzsystems verhindern. Sie hatte bereits Anfang der Woche Landsbanki verstaatlicht und zwei Tage später auch die Glitnir Bank. Bei diesem Finanzdienstleister wollte die Regierung ursprünglich 75 Prozent für 600 Mio. Euro übernehmen. Am Mittwochabend erklärte Premier Geir Haarde jedoch, dass die Probleme bei Glitnir weitaus größer seien als erwartet, und seine Regierung die Bank deshalb unter Zwangsverwaltung stelle.

Die isländischen Banken waren durch ihre enorme Auslandsexpansion in die Schieflage geraten. Sie hatten sich vor allem in Nordeuropa und Großbritannien an anderen Banken, Versicherungsgesellschaften, aber auch Airlines und Handelsketten beteiligt. Die Expansion wurde fast ausschließlich über Schulden finanziert. Mittlerweile beträgt die Schuldenlast der drei isländischen Banken etwa 61 Mrd. Dollar.

Premier Haarde kündigte an, am Dienstag mit Russland Verhandlungen über einen Überbrückungskredit von vier Mrd. Euro aufzunehmen. Gleichzeitig betonte er in Reykjavik, dass seine Regierung auch Diskussionen mit dem Internationalen Währungsfonds (IMF) führe. Auf die Frage, warum er überhaupt ein Kredit aus Russland erwäge, hielt sich Haarde mit Kritik an der EU nicht zurück: „Wir haben alle europäischen Länder gefragt, aber mit Ausnahme der nordischen Länder keine zufriedenstellenden Antworten erhalten. Deshalb haben wir Russland gefragt“. Tatsächlich hatten nur Schweden, Norwegen und Dänemark finanzielle Hilfen zugesagt.

Der Premier hatte am Montag das Parlament aufgefordert, eine Notstandsgesetzgebung zu verabschieden, die es ermöglicht, die Banken unter staatliche Kontrolle zu nehmen. Ohne diese Gesetze sei ein Staatsbankrott nicht auszuschließen, so Haarde. Das isländische Finanzsystem besteht im Prinzip nur aus den drei Banken. Brechen die zusammen, existiert ein funktionierendes Finanzsystem nicht mehr. Haarde betonte noch einmal, dass sein nur 320 000 Einwohner zählendes Land die Folgen der Finanzkrise nicht allein tragen könne. Es sei auf ausländische Hilfe angewiesen.

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