International

_

Finanzkrise: Islands Ex-Premier entgeht Haftstrafe

Der ehemalige isländische Premier Geir Haarde muss nicht ins Gefängnis. Das Sondergericht, das seine Rolle in der Finanzkrise beleuchtet hat, sah keine ausreichenden Gründe für eine Haftstrafe.

Der ehemalige islaendische Ministerpraesident Geir Haarde. Quelle: dapd
Der ehemalige islaendische Ministerpraesident Geir Haarde. Quelle: dapd

ReykjavikIslands früherer Regierungschef Geir Haarde muss wegen der verheerenden Bankenpleite seines Landes im Jahr 2008 nicht ins Gefängnis. Ein vom Parlament eingesetztes Sondergericht sprach den 61-Jährigen am Montag nur in einem von vier Anklagepunkten schuldig. Haarde hatte es demnach damals versäumt, die Regierung ausreichend über den Zusammenbruch des heimischen Bankensystems im Zuge der weltweiten Finanzkrise zu informieren. So habe er etwa keine Kabinettssitzung darüber einberufen.

Anzeige

Dieses Vergehen sei aber nicht ausreichend gewesen, um ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Im Falle eines Schuldspruchs in allen Anklagepunkten hätten ihm bis zu zwei Jahre Haft gedroht. Die Anklage hatte ihm grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der Krise vorgeworfen. Haarde, der früher auch der konservativen Unabhängigkeitspartei vorstand, war im Januar 2009 zurückgetreten.

Während der Finanzkrise hatten die Geldinstitute des kleinen Inselstaates Schätzungen zufolge Schulden angehäuft, die dem zehnfachen Wert des Bruttoinlandsprodukts des Landes entsprachen. Die isländische Krone verlor stark an Wert. Viele der rund 320.000 Einwohner Islands wurden um ihre Ersparnisse gebracht. Eine Staatspleite musste mit Milliardenkrediten von anderen skandinavischen Ländern und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verhindert werden.

Schulden beim IWF Island zahlt Millionen zurück

Einen Teil der Schulden beim IWF hat Island bezahlt - früher als erwartet.

Schulden beim IWF: Island überweist schon mal ein paar hundert Millionen

Die Anklage hatte Haarde Fahrlässigkeit vorgeworfen, weil er beim Kollaps der drei größten isländischen Banken - Kaupthing, Landsbanki und Glitnir - nicht eingegriffen habe. Der Ex-Premier hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. „Erst nach dem Zusammenbruch haben alle gesagt, dass sie ihn kommen gesehen haben“, sagte er in dem Prozess. Haarde hatte sich als einziger Politiker in dem Inselstaat für den Bankencrash verantworten müssen.

  • 24.04.2012, 10:00 UhrMazi

    Herr Schäuble darf sich glücklich schätzen nicht in Island zu wohnen.

    Nach soviel Lügen bekäme er wahrscheinlich die Höchststrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

    Weshalb ist "Recht" so unterschiedlich?

  • 23.04.2012, 21:57 UhrStinkfisch

    Nie war Recht perverser!

    Den grossen Kriminellen aus der Lobby lässt man laufen, der kleine Sünder aus dem Volk wird gehängt!

    Vor dem Gesetz sind alle gleich, - selten so gelacht!!
    Die Verkommende Justiz gehört an den Pranger!!

    Der Fisch stinkt vom Kopf her, der Gestank ist unerträglich!!

  • Die aktuellen Top-Themen
Steuer-Affäre: Hoeneß soll auf T-Aktien gewettet haben

Hoeneß soll auf T-Aktien gewettet haben

Medienberichten zufolge soll sich Uli Hoeneß mit Aktien der Deutschen Telekom verspekuliert und Millionen Euro verloren haben. Damit hätte die T-Aktie neben den tausenden Kleinanlegern auch ein prominentes Opfer.

Pjöngjang: Nordkorea testet weiter Kurzstreckenraketen

Nordkorea testet weiter Kurzstreckenraketen

Trotz Sanktionen testet Nordkorea erneut Kurzstreckenraketen, nachdem Pjöngjang bereits Raketen in östliche Gewässer feuerte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Tests als Provokation. Die Lage ist angespannt.

Anti-Euro-Partei: AfD-Chef will nicht zurück zur D-Mark

AfD-Chef will nicht zurück zur D-Mark

Der Vorsitzende der AfD-Partei Bernd Lucke will nun nicht zurück zur D-Mark, sondern ist für einen Euro-Ausstieg der südeuropäischen Staaten. So könnten die Süd-Länder allmählich wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International