Finanzkrise
Lettland bittet um Milliardenkredit

Das von der globalen Finanzkrise mit voller Wucht erfasste Lettland benötigt nach Meinung von Finanzminister Atis Slakteris zwischen einer und drei Mrd. Euro an Krediten vom Internationalen Währungsfond und der EU. Über die genaue Höhe wird derzeit verhandelt.

STOCKHOLM. Internationaler Währungsfond (IWF) und EU erklärten sich grundsätzlich zu Hilfen bereit. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet. Lettland hatte erst vor einer knappen Woche den IWF und die EU um Hilfe bei der Lösung der akuten Finanzkrise in dem einstigen Boom-Land gebeten. Wie Finanzminiter Slakteris in einem Fernsehinterview in Riga erklärte, brauche sein Land die Gelder nicht unmittelbar. Sie würden aber verwendet werden, "um die Wirtschaft in Gang zu halten", sagte er.

Ungeachtet der noch zu vereinbarenden Kreditsumme stellt sich das kleine baltische Land auf schwierige Zeiten ein: Nachdem die Wirtschaft in den vergangenen Jahren jeweils um rund zehn Prozent gewachsen ist, leidet Lettland jetzt unter der schwersten Rezession aller 27 EU-Länder.

Im dritten Quartal schrumpfte die Volkswirtschaft um 4,2 Prozent. Finanzminister Slakteris fürchtet gar, dass sich das negative Wachstum 2009 auf fünf Prozent erhöhen könnte. Bislang hatte seine Regierung mit einem Rückgang im kommenden Jahr von nur einem Prozent gerechnet.

Lettland leidet wie Nachbar Estland unter einem rekordhohen Leistungsbilanzdefizits sowie dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Die Preise für Wohnungen und Häuser sind in den vergangenen Monaten um bis zu 40 Prozent gesunken. Die deutlichen Überhitzungstendenzen mit Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent waren schon seit einem Jahr zu beobachten. Angefeuert wurde das Konsumfest durch leichtfertig vergebene Kredite der Banken.

Der Bankensektor in Estland, Lettland und Litauen ist fest in den Händen schwedischer Finanzkonzerne. Swedbank und SEB kommen auf einen Marktanteil im Baltikum von fast 70 Prozent. Sie hatten günstige Hypotheken in Fremdwährungen vergeben und kämpfen nun mit Kreditverlusten. Die einzige lettische Großbank, Parex Bank, wurde vor zwei Wochen unter staatliche Kontrolle genommen, da sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte.

Mittlerweile macht sich bei vielen Menschen in den baltischen Staaten die Angst vor einer Abwertung der einheimischen Währung breit. In diesem Fall könnten viele Kreditnehmer ihre Schulden in Euro oder Dollar nicht mehr zurückzahlen.

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