Finanzkrise
Osteuropa, Insel der Instabilität

Nach Ungarn und Lettland braucht nun auch Rumänien Staatshilfen. Der Niedergang der einstigen Wachstumsregion Osteuropa ist derzeit atemberaubend. Die dortigen Regierungen hoffen auf Hilfe durch ihre europäischen Nachbarn. Doch die EU will ihre Notfonds nicht aufstocken.

WIEN/RIGA. Wieder geht es um Milliarden, und wieder ist es ein osteuropäisches Land, das in seiner Not den Westen um Hilfe bitten muss. Rumäniens Regierung bestätigte gestern, dass sie mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU und der Weltbank über ein milliardenschweres Stützungsprogramm verhandelt. Die exakte Größe des Notpakets steht noch nicht fest. In Regierungskreisen der rumänischen Hauptstadt Bukarest hieß es gestern, dass das südosteuropäische Land 19 Mrd. Euro bekommen soll. Der IWF wird wahrscheinlich zwölf Mrd. Euro übernehmen, den Rest will die EU schultern. Rumänien ist nach Ungarn und Lettland das dritte EU-Mitgliedsland, das die Nothilfe braucht.

Die Finanzkrise trifft den Osten Europas wie kaum eine andere Region auf dem Globus. Noch im vergangenen Sommer hatte der polnische Regierungschef Donald Tusk sein Land als „Insel der Stabilität“ gefeiert. Aber auch dort ist das Wachstum fast vollständig weggebrochen. Nach hohen Wachstumsraten in der Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kämpft die gesamte Region jetzt mit der Rezession. Die Veränderungen sind zum Teil dramatisch: Länder wie die Slowakei hatten im vergangenen Jahr noch eine Wachstumsrate von mehr als sieben Prozent – jetzt bewegt sich das Land entlang der Nulllinie. Die steigende Zahl privater Insolvenzen und Firmenpleiten setzt die Banken in der Region unter massiven Druck, die bisherigen Hilfen von IWF und EU an Ungarn und Lettland sollen Staatsbankrotte verhindern.

Jetzt also Rumänien: Das Land hat enorme Probleme mit seiner Leistungsbilanz. Das Defizit erreicht knapp 14 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes (BIP) – kaum ein anderer Staat in Osteuropa steht so schlecht da wie Rumänien. „Wir brauchen das Geld, um weitere mögliche Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise besser abfedern zu können“, begründete der rumänische Präsident Traian Basescu vor dem Parlament in Bukarest seinen Hilferuf.

Private Haushalte und Unternehmen haben sich in den zurückliegenden Boomjahren stark verschuldet. „Das Staatsdefizit ist dazu im Vergleich recht gering“, erläutert Gábor Hunya, Rumänien-Experte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Die Banken hätten ihren Kunden „die Kredite nachgeworfen, ohne die möglichen Folgen einzukalkulieren“. Rumänien muss dieses Jahr 24 Mrd. Euro an Schulden begleichen – eine Summe, die das Land nur mit Hilfe aus dem Ausland aufbringen kann.

Rumänien wird möglicherweise nicht das letzte EU-Land sein, das in diesem Jahr eine Milliardenhilfe braucht. Auf der Liste möglicher Nehmerländer stehen beim IWF auch Bulgarien und Litauen. Außerhalb der EU verschärft sich die Lage vor allem bei den jugoslawischen Nachfolgestaaten. Serbiens Präsident Boris Tadic sagte am Dienstag, dass sein Land vom Währungsfonds wahrscheinlich zwei Mrd. Euro benötigen werde.

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