Finanzkrise
Politiker fordern globales Gipfeltreffen

Nun wird die Diplomatie in Sachen Finanzkrise aktiv. Der französische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und andere Politiker schlagen vor, dass sich ein globales Gipfeltreffen so bald wie möglich mit der Finanzkrise befassen soll.

HB WASHINGTON/QUÉBEC. In einem am Samstag im kanadischen Québec veröffentlichten Schreiben an Sarkozy schlug Ban vor, ein solches Treffen "Anfang Dezember" am UN-Sitz in New York abzuhalten. Er und Sarkozy stimmten darin überein, dass es "keine Zeit zu verlieren" gelte, heißt es in dem Schreiben. Zuvor waren Ban und Sarkozy am Rande des Frankophonie-Gipfels zu einem Gespräch über Krise an den Finanzmärkten zusammengetroffen.

Sarkozy und EU-Ratspräsident José Manuel Barroso sollten am Samstagabend in Washington mit US-Präsident George W. Bush zusammenkommen. Dabei wollten sie auf einen Weltfinanzgipfel noch vor Jahresende nach dem Vorbild von "Bretton Woods" dringen. In Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire war 1944 ein weltweites Währungssystem mit festen Wechselkursen zum Dollar beschlossen worden. Neben den G-8-Staaten sollen nach einem Vorschlag Sarkozys auch die fünf wichtigsten Schwellenländer der Welt (G-5) teilnehmen, also China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika.

Zudem solle auch ein arabisches Land an den Beratungen über eine Neuordnung des Finanzsektors teilnehmen, erklärte Sarkozy nach einem Treffen mit Kanadas Premierminister Stephen Harper. Ein Datum für diesen Gipfel müsse "so rasch wie möglich" vereinbart werden, sagte Harper.

In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten Sarkozy und Harper die bislang eingeleiteten Schritte zur Eindämmung der weltweiten Finanzkrise. Durch einen Weltfinanzgipfel sollten diese Bemühungen gestärkt werden. Ziel des Treffens sei es, "ambitionierte und pragmatische Lösungen" zu finden, forderte Sarkozy. "Die Welt befindet sich in ihrer schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit den 30er Jahren (...) und wir müssen daraus Lehren ziehen. Die Welt muss sich verändern", sagte er.

Bushs Sprecherin Dana Perino erklärte jedoch vor dem Treffen in Camp David, dabei würden keine neuen Vorschläge für den Kampf gegen die weltweite Finanzkrise vorgelegt. Auch würden weder Ort noch Datum des internationalen Gipfels festgelegt. In den USA waren am Freitag aktuelle Wirtschaftsdaten der Baubranche veröffentlicht worden, wonach die Zahl der Bauvorhaben für Privathäuser im September auf das niedrigste Niveau seit der Rezession im Jahr 1991 gefallen ist.

Im Kampf gegen die Krise an den Finanzmärkten hatten die USA in der vergangenen Woche angekündigt, mit rund 250 Milliarden Dollar (184 Milliarden Euro) aktiv in das Bankgeschäft einzusteigen. Mit diesen Plänen folgte die US-Regierung dem europäischen Vorbild.

In der Eurozone hatten zuvor bereits mehrere Länder, darunter Deutschland, Pläne für einen Einstieg des Staats bei Banken vorgestellt, um den Geldfluss wieder in Gang zu bringen. Die Europäische Union weitete den Rettungsplan der Euro-Zone dann auf ihrem Gipfel in Brüssel auf alle Mitgliedsländer aus. Sie dürfen nun bis Ende 2009 für Bankkredite bürgen und Institute mit frischem Kapital versorgen.

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