Finanzkrise
Schweizer Großbanken droht Zerschlagung

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich besorgt über den Zustand der Großbanken in der Alpenrepublik geäußert. Auch nach der mit einer Milliarden-Staatshilfe behobenen Schieflage der Großbank UBS bleibe die Lage für die Geldinstitute schwierig. Die Währungshüter sprachen von beträchtlichen Risiken und fordern Gegenmaßnahmen.

BERN. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will die beiden Großbanken des Landes an die Kette legen. Mit ungewöhnlich drastischen Vorschlägen wollen die Notenbanker die systemischen Risiken der UBS und Credit Suisse begrenzen. Gedacht ist nicht nur an größere Kapitalpolster, sondern auch an eine Aufspaltung, falls eines der beiden Institute noch einmal in eine bedrohliche Schieflage kommen sollte. Um zu verhindern, dass eine Großbank die gesamte Volkswirtschaft mit in den Abgrund reißen kann, erwägen die Eidgenossen zudem, das Wachstum der Finanzhäuser durch Marktanteilsgrenzen zu zügeln.

Die Schweizer Notenbank geht damit weit über die Vorschläge in anderen Ländern hinaus. Zwar will auch die US-Regierung freie Hand um insolvente Banken abwickeln zu können. Vor seiner staatlichen Wachstumsbremse schrecken jedoch sowohl Amerikaner als auch Briten zurück. In den USA gibt es zwar seit 1994 eine Beschränkung der Marktanteile. Banken dürfen demnach nicht mehr als zehn Prozent der inländischen Einlagen halten. Diese Vorschrift gilt jedoch nicht für organisches Wachstum und ist durch die Zwangsfusionen während der Finanzkrise durchlöchert worden.

Dass ausgerechnet die Schweizer beim Umgang mit den Risiken der Großbanken eine Vorreiterrolle übernehmen, hat einen guten Grund: die Bilanzsummen der UBS und Credit Suisse sind sechsmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt der Alpenrepublik. Mit anderen Worten: Die Schweiz kann schon aus finanziellen Gründen die Pleite einer Großbank nicht leisten.

Die SNB versucht deshalb frühzeitig mit einem Dreistufenplan gegenzusteuern. In einem ersten Schritt haben Notenbank und Finanzmarktaufsicht Finma bereits die Kapitalanforderungen drastisch erhöht. Die Schweizer Großbanken müssen nicht nur doppelt so viel Eigenkapital vorhalten wie nach den internationalen Basel-II-Vorschriften vorgesehen ist. Sie sollen auch ihren Verschuldungsgrad auf mindestens drei und in guten Zeiten auf fünf Prozent der Bilanzsumme begrenzen. Zusätzlich wollen die Eidgenossen mit einem Stresstest feststellen, ob die Großbanken auch im Notfall über eine ausreichende Liquidität verfügen.

Sollte eine Bank dennoch in eine Schieflage geraten, muss es nach Meinung der Schweizer Notenbanker ein international abgestimmtes Liquidationsverfahren geben. Obwohl die Amerikaner in die gleiche Richtung marschieren, räumte der SNB-Vizepräsident Philipp Hildebrand ein, dass eine internationale Einigung sehr schwierig werden dürfte. „Wir stehen am Anfang einer steilen Bergwanderung“, sagte der Eidgenosse. Die Notenbank will deshalb auch einen Alleingang nicht völlig ausschließen. Notfalls müsse eine Bank mit Hilfe von „Sollbruchstellen“ aufgespaltet werden. Die für das Funktionieren der Volkswirtschaft wichtigen Teile der Bank müssten „herausgelöst“ und die restlichen Teile liquidiert werden.

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