Finanzkrise
Solidarität in Zyperns Norden

Der türkische Norden Zyperns ist von der Finanzkrise im griechischen Süden kaum betroffen, da es keine wirtschaftlichen Berührungspunkte gibt. Trotz konfliktreiche Geschichte beider Volksgruppen ist keine Häme zu spüren.
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NicosiaMit Stacheldraht bewehrte Mauern ziehen sich durch die engen Straßen der Altstadt von Nikosia. Verlassene Gebäude stehen im Niemandsland. Auf der anderen Seite beobachten türkische Zyprer mit einer Mischung aus Faszination und Betroffenheit den wirtschaftlichen Niedergang im lange wohlhabenden Süden. Griechen und Türken auf Zypern hatten ab Mitte der 1970er Jahre fast 30 Jahre lang keinerlei Kontakt. Erst seit einem Jahrzehnt dürfen sie die militärisch gesicherte Grenze passieren. Der Streit zwischen den Volksgruppen, der 1974 zur Invasion türkischer Truppen führte, hinterließ auf beiden Seiten bittere Gefühle.

Doch Bitterkeit empfinden im türkischen Norden von Nikosia die wenigsten, nun, da der Süden in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. „Es tut mir sehr leid“, sagt der Rentner Selçuk Ekendal, während er Freunden in einem grenznahen Café beim Kartenspiel zusieht. Es sei nicht nur eine Angelegenheit des Südens: „Die Krise ist überall.“ Tatsächlich aber betrifft die Krise die türkischen Zyprer nicht direkt. Ohne jegliche finanziellen Beziehungen zum Süden und ohne Anschluss an die Eurozone, ist der Norden vom wirtschaftlichen Zerfall im griechischen Teil der Insel nicht berührt.

Der türkische Teil Zyperns wird international ausschließlich von der Türkei anerkannt, direkte andere Handelspartner gibt es dementsprechend nicht. Als Währung dient de facto die türkische Lira. Diese Abhängigkeit von Ankara war einst ein Fluch, nun fungiert sie als eine Art Sicherheitsnetz. Wirtschaftlich führte der Norden lange Zeit ein Schattendasein, während der Süden prosperierte und schließlich Mitglied der EU wurde. Doch nun herrscht Erleichterung, dass der türkische Teil Zyperns die Turbulenzen rund um den Euro als reiner Beobachter verfolgen kann.

Das Blatt hat sich damit gewendet: Nach der Invasion 1974 verfügte der Norden zwar über die fruchtbarsten landwirtschaftlichen Flächen und rasch wachsende touristische Einrichtungen, doch die politische Isolierung hatte kostspielige Folgen. Hunderttausende türkische Siedler kamen auf die Insel. Ankara subventionierte sie und die neu gebildete Regierung mit Milliarden. Schnell wurde klar, dass das Überleben des türkischen Norden Zyperns sowohl wirtschaftlich als auch politisch von Ankara abhing. Südlich der Demarkationslinie erholte sich die griechisch-zyprische Wirtschaft hingegen schnell von der Invasion. Vor allem der Bankensektor wuchs dort enorm und erreichte ein Volumen vom Achtfachen des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Experten warnten seit langem, dass dies nicht gutgehen könne.

Im Zuge der Finanzkrise in Griechenland gerieten auch die griechisch-zyprischen Banken in den Abwärtsstrudel. Nach zähen Verhandlungen einigte sich die Regierung in Nikosia mit EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) im März praktisch in letzter Minute auf einen Rettungsfonds, der einen Austritt Zyperns aus der Eurozone verhinderte. Doch auf die Bevölkerung kommen in nächster Zeit gravierende Einschnitte und Sparmaßnahmen zu. Im türkischen Teil hingegen befindet sich die Tourismusbranche seit einiger Zeit wieder im Aufwind.

Die türkischen Zyprer sagen indes, sie wüssten genau, wie sich die Menschen im Süden in der Krise fühlten. „Wir haben vor langer Zeit erlebt, was die griechischen Zyprer erleben. Vor etwa zwölf Jahren, als viele Banken pleite gingen und die Leute viel Geld verloren“, sagt Hassan Chirakli, ein türkisch-zyprischer Süßigkeitenhändler. Die Türkei geriet 2001 in eine tiefe Wirtschaftskrise. Damals musste das Bankensystem reformiert werden, bankrotte Banken mussten saniert werden. Die Behörden übernahmen mehr als ein Dutzend Geldinstitute. Und wegen der engen Verflechtung der türkisch-zyprischen Wirtschaft mit der des Mutterlandes waren die Auswirkungen in Nordzypern gravierend.

Wenige Jahre später keimten Hoffnungen auf eine Lösung für die geteilte Insel: 2004 wurde unter Vermittlung des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan ein Friedensplan ausgehandelt. Das Abkommen wurde im Norden und im Süden zur Abstimmung gestellt. Die türkischen Zyprer nahmen den Plan an, die griechischen Zyprer lehnten ihn ab. Kaufmann Chirakli sagt, die Lösung für die finanziellen Schwierigkeiten auf beiden Seiten liege in einer Wiedervereinigung der Insel. „Hätten die griechischen Zyprer Ja zum Annan-Plan gesagt, wäre es völlig anders gelaufen“, sagt er. „Das wollte ich die ganze Zeit, und ich will es noch immer. Irgend eine Art von Lösung für dieses Land.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Wie ich das in der Cyprus Times (www.zypern.cc) gelesen habe, hat der Norden und sogar die Türkei dem Süden und Griechenland in diesen schwierigen Zeiten mehrmals die Hand gereicht. Man möchte ihnen finanziell helfen, gab ihnen Strom und bald wird man dem in den Sommermonaten durch Dürre geplagten Süden mit Frischwasser aus der Südtürkei retten. Aber leider ist besonders der Widerstand der orthodoxen Griechen groß. Ich möchte die ganzen Artikel darüber nicht suchen. Schaut selbst einfach auf der Seite der deutschsprachigen Cyprus Times nach.

  • Wie ich das in der Cyprus Times (www.zypern.cc) gelesen habe, hat der Norden und sogar die Türkei dem Süden und Griechenland in diesen schwierigen Zeiten mehrmals die Hand gereicht. Man möchte ihnen finanziell helfen, gab ihnen Strom und bald wird man dem in den Sommermonaten durch Dürre geplagten Süden mit Frischwasser aus der Südtürkei retten. Aber leider ist besonders der Widerstand der orthodoxen Griechen groß. Ich möchte die ganzen Artikel darüber nicht suchen. Schaut selbst einfach auf der Seite der deutschsprachigen Cyprus Times nach. Wolfgang

  • ...das ist richtig...denn auch damals hatte man mit anderen Problemfällen in dieser Region schon genug zu tuen..

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