Finanzkrise
Steinbrück rechnet mit USA ab

Peer Steinbrück ist für sein großes Ego bekannt. Wer es kränkt, kann sicher sein, dass ihn der scharfzüngige Finanzminister irgendwann zur Rechenschaft zieht.

BERLIN. An einem Märztag im Jahr 2007 hatte ihn sein US-Amtskollege Henry Paulson in Washington regelrecht vorgeführt. Erst steckte Steinbrück im Stau von Amerikas Hauptstadt fest, dann ließ die Wachmannschaft seinen Wagen nicht auf das Gelände des US-Finanzministeriums.

Schließlich gewährte ihm der viel beschäftigte Paulson ganze elf Minuten für ein Gespräch im Stehen - ein Stuhl wurde Steinbrück erst gar nicht mehr angeboten. Am Donnerstag beglich der SPD-Mann die offene Rechnung.

Paulson, in seiner Zeit als Boss der Investmentbank Goldman Sachs einer der Profiteure der grenzenlosen Gier an der Wall Street, werde jetzt als Minister auf Magazin-Covern als „King Henry“, der die Finanzwelt rettet, gefeiert, lästerte Steinbrück.

Er selbst und die anderen tapferen Helfer würden dagegen für das Auffangen der Mittelstandsbank IKB als „Zusammenrottung von Ignoranten“ verunglimpft. Dabei müsse die US-Regierung über eine Billion Dollar (etwa 700 Milliarden Euro) in den Finanzmarkt pumpen - die Bundesregierung aber nur bis zu 1,8 Milliarden Euro in die IKB.

Dann zerlegte Steinbrück in der 45-minütigen Regierungserklärung Punkt für Punkt die Finanz-Supermacht USA. Mit dem Platzen der Immobilienblase, dem Untergang der Wall-Street-Banken und dem gigantischen Rettungspaket verlören die Vereinigten Staaten ihre seit Jahrzehnten ausgeübte Vormachtstellung an Staatsfonds und große Banken aus Asien und dem Nahen Osten.

Im anglo-amerikanischen Finanzsystem sei das „laissez-faire“-Prinzip, das möglichst freie Spiel der Marktkräfte, gnadenlos auf die Spitze getrieben worden. Nach dem Motto „Lass' den Markt mal machen“ hätten die USA die Investmentmanager gewährenlassen, die zweistellige Renditen und riesige Boni kassierten.

Tief sitzt der Stachel bei Steinbrück, den ihm die Amerikaner im vergangenen Jahr verpasst haben. Paulson und die Bush-Regierung hatten die Deutschen während ihrer EU- und G7-Präsidentschaft im Streben nach mehr Kontrolle der Märkte am langen Arm verhungern lassen.

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