Finanzkrise
Troika erwartet Wirtschaftseinbruch in Zypern

Um fast acht Prozent könnte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr zurückgehen. Das geht aus einer Vereinbarung des Landes mit den Geldgebern hervor. Schon in naher Zukunft soll Zypern allerdings Überschüsse erzielen.
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NikosiaDie Wirtschaftsleistung Zyperns wird nach Einschätzung seiner internationalen Gläubiger in diesem Jahr um fast acht Prozent schrumpfen. Das ergibt sich aus Zahlen in einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zwischen beiden Seiten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Demnach wird für das kommende Jahr ein Minus um etwa drei Prozent erwartet. In den Jahren 2015 und 2016 soll es wieder ein Wachstum von je ein Prozent geben.

Zypern soll der Vereinbarung zufolge vom Jahr 2017 an einen Primärüberschuss von vier Prozent erzielen. Im Primarhaushalt sind Zinszahlungen nicht berücksichtigt. Dem Dokument zufolge soll in diesem Jahr das Primärdefizit bei 2,4 Prozent im Vergleich zur Wirtschaftsleistung liegen. Im kommenden Jahr sind 4,25 Prozent und im Jahr darauf 2,1 Prozent geplant.

2016 soll Zypern ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes wieder mehr Geld einnehmen als ausgeben. Dann ist ein Primärüberschuss von 1,2 Prozent vorgesehen.

Der Mittelmeerstaat hat sich mit dem Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und den Euro-Staaten auf ein Rettungspaket im Umfang von zehn Milliarden Euro geeinigt. Im Gegenzug muss die Regierung etwa Steuern und Gebühren erhöhen, das Renteneintrittsalter anheben und die Verwaltung reformieren.

Zyperns Finanzminister, Michalis Sarris, ist am Dienstag unmittelbar nach der Übereinkunft mit der Geldgeber-Troika zurückgetreten. Der Schritt sei von Präsident Nikos Anastasiadis angenommen worden, bestätigte Regierungssprecher Christos Stylianides dem staatlichem Rundfunk Zyperns zufolge. Als Grund nannte Sarris die Untersuchungen der neu eingesetzten Kommission, die Hintergründe der Bankenkrise unter die Lupe nimmt. Die Kommission soll sich auch mit den Vorwürfen der Kapitalflucht von Anlegern beschäftigen, die Mitte März Insiderinformationen über bevorstehende harte Maßnahmen genutzt haben sollen, um hunderte Millionen ins Ausland zu bringen.

Sarris war noch vor einem Jahr Chef der angeschlagenen Laiki Bank. Das zweitgrößte Geldhaus ist das einzige in der kleinen Inselrepublik, das im Zuge der strengen Auflagen für das Finanzsystem des Euro-Krisenlandes zerschlagen wird. Sarris' Nachfolger soll Medienberichten zufolge Arbeitsminister Charis Georgiades werden.

Gerüchte über seine Ablösung hatte es bereits während der Moskau-Reise von Sarris gegeben, als er versuchte, die Russen zu Milliarden-Geldspritzen zu bewegen, wie die Zeitung „Politis“ schreibt. Außerdem habe das Oberhaupt der einflussreichen orthodoxen Kirche, Erzbischof Chrysostomos II. wiederholt den Rücktritt des Finanzministers gefordert.

Unterdessen lockerte Zypern fünf Tage nach Wiedereröffnung der Banken leicht die strengen Beschränkungen für den Zahlungsverkehr. Nach Mitteilung der Regierung sind jetzt Überweisungen für geschäftliche Zwecke bis zu 25.000 Euro pro Tag und Konto erlaubt, statt bislang nur 5000 Euro. Transfers oberhalb der Grenze bedürfen weiterhin der Zustimmung der Zentralbank. Das Limit für Abhebungen bleibt indes bei 300 Euro pro Person und Bank. Ebenfalls bestehen bleibt das Verbot, bei Auslandsreisen mehr als 1000 Euro Bargeld pro Person mitzunehmen.

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  • weil eine Volkswirtschaft nicht mit Deiner eigenen Wirtschaftlichkeit verglichen werden kann. Genau das ist der immer wiederkehrende Fehler, der gemacht wird. Die Löhne und Gehälter haben eine Doppelfunktion. Die sind Kosten, aber zugleich auch Kaufkraft. Aber nur bei der "normalen Bevölkerung", denn die Reichen geben ihr Geld nicht aus, sondern geben es den Spekulanten, sprich Bankstern, zur Vermehrung. Da es dafür keine regeln mehr gibt, wird das viele Geld zur Erpressung ganzer Staaten benutzt.
    Tolle Volkswirtschaft, und wir Deutschen sind in unserer Selbstgerechtigkeit, wieder mal ganz vorne mit dabei und wundern uns, dass andere Völker uns nicht mögen.
    Aber selber denken und sich informieren, da sind wir Deutschen nicht ganz vorne mit dabei. Da haben wir erheblichen Nachholbedarf ;-)))))

  • Was ist eigentlich aus der Eingabe beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen mutmaßlicher Verbrechen an der Menschlichkeit in Griechenland geworden? Zypern kann jetzt auch gleich mit aufgenommen werden.
    Die Bevölkerung von Zypern kann so wenig/viel für die Zustände in ihrem Land, wie wir Deutschen an den Zuständen in unserem Land, weil wir die Verantwortlichen gewählt haben. Nur wir Deutschen tragen auch noch die Mitschuld an den Zuständen in den sogenannten "Schuldenländern". Die Schulden dieser Länder sind das Guthaben anderer. Die Mehrheit der Deutschen hat daran keinen Anteil, aber einige wenige dafür um so mehr. Auch hier wird nicht Zypern, also die Bürger gerettet, sondern die Banken, die die "Schulden" sprich das Guthaben ihrer wohlbetuchten Inhaber/Aktionäre und Spekulanten verwalten. Dass diese keinen Verlust erleiden, dafür sorgt unter anderem vehement unsere Kanzlerin mit ihrem Gefolge. Was die Troika mit den "Sparmaßnahmen" anrichtet war den Damen und Herren bekannt. Es ist also gewollt. Dass diese Politik nur die Menschen verarmt ist somit billigend in Kauf genommen worden. Was haben wir nur für Regierungen, die das zulassen? Warum werden die immer wieder gewählt?
    Wer stoppt endlich diesen unsäglichen Finanz- und Wirtschaftskrieg der uns alle ins Elend stürzt?
    Ich hoffe auf Den Haag!

  • "Troika erwartet Wirtschaftseinbruch in Zypern"

    Warum so zaghaft? Ich erwarten den Einbruch für ganz Europa. Die Krise läßt sich nicht in den Griff bekommen solange es eine Gemeinschaftswährung in Europa gibt.
    Diese Krise hätten wir längst nicht mehr o h n e eine Gemeinschaftswährung. Diesen EURO mit Milliarden von Schuldengeldern zu stützen hat die Krise nur noch mehr verschärft und führt in eine ausweglose Sackgasse.

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