Finanzkrise
Weltbank warnt vor Entwarnung

Weltbank-Chef Robert Zoellick warnt vor den Folgen der Finanzkrise - vor allem für die Entwicklungsländer. Aber er kommt zu spät. Die Stimmung hat sich gedreht. Mahnende Stimmen will niemand hören. Jetzt ist Aufschwung. Basta. Eine fatale Entwicklung.
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WASHINGTON. Robert Zoellick wirkt wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Kurz vor Beginn der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Istanbul prangert der Weltbank-Chef die Armut in der Welt an. Wieder und wieder erklärt er, wie viele Millionen Menschen um ihr Überleben kämpfen. Doch keiner mag so recht hinhören. Zoellicks Mahnungen passen so gar nicht zur Grundstimmung, die seit Wochen verbreitet wird: Dass das Schlimmste der Krise vorüber sei, der Boden erreicht und jetzt die Signale auf Erholung stünden. Schlechte Nachrichten war gestern. Jetzt ist Aufschwung.

Erneut scheint Zoellick einen Tick zu spät zu kommen mit seiner Botschaft. Denn schon einmal, im Frühjahr beim G20-Treffen in London, hatte der Präsident der Weltbank auf Bescheidenheit gesetzt, statt die Gunst der Stunde zu nutzen. Damals hatten die Regierungschefs ihre Kassen weit geöffnet, um die internationalen Finanzorganisationen mit Geld zu versorgen. Alleine 500 Mrd. Dollar - einschließlich der Aufstockung der Sonderziehungsrechte sogar 750 Mrd. Dollar - erhielt die kleine Schwester IWF, um die Folgen der Krise abzufedern. Seitdem schwebt deren Chef, Dominique Strauss-Kahn "auf Wolke sieben", wie ein Insider berichtet.

Doch Zoellick begnügte sich in London mit Zusagen in Höhe von 100 Mrd. Dollar, "obwohl viel mehr drin gewesen wäre", wie es in der Bank heißt. Er habe eine "Chance verpasst", wurde Zoellick kritisiert. Allerdings: Ob ihm das auch tatsächlich einer der Bank-Direktoren so gesagt hat ist unklar.

Zoellick, der langjährige Handelsbeauftragte von George W. Bush, pflegt einen strengen Stil in der Bank, der offene Diskussionen nicht immer einfach macht. Dabei mag Zoellick in der Sache seinerzeit sogar Recht gehabt haben. Denn eine akute Finanzspritze hatte die Weltbank im Frühjahr nicht nötig. Im Vergleich zu Regionalbanken wie der asiatischen oder der afrikanischen Entwicklungsbank stand die Weltbank noch gut da. Politisch aber hat sich das Fenster für Milliardenhilfen inzwischen schon wieder ein gutes Stück weit geschlossen. Nachdem die Regierungen der Industriestaaten riesige Summen für die Rettung von Banken und Unternehmen ausgegeben haben und sich dabei hohe Defizite auftürmten läuft die Diskussion jetzt in Richtung "Exit", Ausstieg - und nicht in ein "Weiter so".

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