Finanzkrise
Wirbel um Entschädigung für Kaupthing-Sparer

Müssen deutsche Sparer um ihre Entschädigung durch die Kaupthing-Bank bangen? Glaubt man dem isländischen Staatspräsidenten, dann ist eine Entschädigung fraglich. Doch die Betroffenen halten dessen in einem Zeitungsinterview zitierten Drohungen für übertrieben und aus dem Zusammenhang gerissen. Und auch die Bundesregierung sieht keinen Anlass zur Sorge angesichts der „kryptischen“ Äußerungen.

HB BERLIN. Das Bundesfinanzministerium geht weiter von einer Entschädigung der gut 31 000 deutschen Sparer durch die isländische Kaupthing-Bank aus. „Island ist im Rahmen seiner gesetzlichen Einlagensicherung zur Entschädigung der Anleger verpflichtet“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Fakten hätten sich nicht geändert. Deutschland sei aber natürlich weiterhin bereit, Island bei der Erfüllung seiner gesetzlichen Verpflichtung im Rahmen eines Darlehensangebot zu unterstützen.

Entwarnung kommt auch von der Kaupthing-Bank Sie will ihre deutschen Kunden nach wie vor voll entschädigen, wie eine Banksprecherin sagte. „Wir stehen zu unseren Verpflichtungen“, sagte die Sprecherin.

„Kühlen Kopf bewahren“, raten auch die deutschen Kaupthing-Geschädigten. Auf ihrer Internetseite weisen sie auf isländisches und europäisches Recht hin, das für die Einlagensicherung, aber auch für die Abwicklung von Kaupthing gelte. Dieses müsse von Island einhalten werden. „Ansonsten würde das Land jede internationale Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit verspielen, wodurch Island seine Rolle als internationaler Vertragspartner (…) schwer gefährden würde.“

Im Übrigen seien die von der „Financial Times Deutschland“ (FTD) zitierten Äußerungen des isländischen Staatspräsidenten Olafur Ragnar Grimsson „medienwirksam aus dem Zusammenhang gerissen und provokant zusammengefügt“ worden, kritisieren die Kaupthing-Geschädigten auf ihrer Internetseite.

Die FTD hatte berichtet, Grimsson lehne eine Entschädigung deutscher Sparer durch die Kaupthing-Bank ab und ihn mit den Worten zitiert: „Die Deutschen müssen begreifen, dass die Menschen in Island alles verloren haben.“ Daher sei es isländischen Steuerzahlern nicht zu vermitteln, dass sie jetzt auch noch für die Verluste deutscher Sparer aufkommen müssten. Es sei ungerecht, dass ausländische Anleger erwarteten, dass Island die ganze Last der Finanzkrise trage, sagte das Staatsoberhaupt. "Ich bin überrascht von den Forderungen unserer Freunde im Ausland." Die weltweite Finanzkrise sei nicht allein eine isländische Angelegenheit, fügte Grimsson hinzu. Verantwortlich für den Bankencrash sei vielmehr das europäische Bankensystem, das dringend reformiert werden müsse.

Grimsson distanzierte sich inzwischen von der Darstellung der Zeitung, die er gegenüber dem Handelsblatt „irreführend“ nannte. Vielmehr habe er in dem Gespräch unterstrichen, dass es einen klaren und starken Willen gäbe, die Vereinbarungen der Banken mit den Gläubigern zu einem Abschluss zu bringen.

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