Finanzmärkte
EU einigt sich auf Derivate-Regeln

Seit Ausbruch der Finanzkrise versucht die EU die Finanzmärkte in den Griff zu bekommen, nun scheint ein wichtiger Schritt geschafft: Das Regelwerk Mifid II ist auf den Weg gebracht. Details werden in Kürze präsentiert.
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LondonNach fast zweijährigen Verhandlungen haben sich die EU-Staaten nach Angaben von Diplomaten auf neue Regeln für den Derivate-Markt geeinigt. Die Botschafter der 27 Mitgliedstaaten würden die Details der Einigung am Montag präsentieren, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Diplomaten am Donnerstag in Brüssel. „Es ist geschafft. Der Kompromiss ist vernünftig.“ Die EU-Finanzminister sollen die neuen Derivate-Regeln bei ihrem Treffen am 21. Juni in Luxemburg besiegeln. Die Verhandlungen waren zuletzt wegen unterschiedlicher Forderungen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien ins Stocken geraten.

Das neue Regelwerk namens Mifid II ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise und zielt darauf, im Markt für Derivate und andere Finanzprodukte mehr Transparenz herzustellen. Bisher werden die meisten der Geschäfte nicht über Börsen abgewickelt, sondern zwischen einzelnen Banken. Daraus erwachsen auch Risiken für das Finanzsystem insgesamt.

Die EU hatte sich ursprünglich dafür eingesetzt, dass Clearinggesellschaften Finanzgeschäfte unabhängig vom Handelsplatz abwickeln dürfen. Deutschland ist dagegen, dass diese Regeln für an Börsen gehandelte Derivate greifen, weil davon die Deutsche-Börse -Tochter Eurex betroffen wäre. Großbritannien hat sich zuletzt für einen größeren Wettbewerb bei Swapgeschäften und Derivaten eingesetzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzmärkte: EU einigt sich auf Derivate-Regeln"

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  • Früher gab es in Deutschland einmal eine Statistik, die die Volumina der Derivate (allgemein) auswies. Diese wurde Mitte der Neunziger ohne Begründung eingestellt.

    Mittels Derivate lässt sich im § 39 IAS vortrefflich manipulieren, sorry: gestalten.

    Ich bin gespannt, ob die EU die richtigen Schlüsse gezogen hat und wirklich "Derivate-Regeln" oder "Regeln für Derivate" erlassen will.

    Mein subjektiver Eindruck im Vorfeld: "für die Tonne!"

    Mitte der 80iger gab es in Deutschland schon einmal die Diskussion. Damals, April 1984, schrieb der spätere Präsident des BAKred (Vorgänger der BaFin), dass Finanzinnovationen gegen die guten Sitten verstoßen und die Wirtschaftsprüfer auf die Einhaltung der guten Sitten zu achten hätten.

    In der Folge ergab sich in Deutschland eine hitzig geführte Diskussion, die darin endete, dass die Lobbyisten zum Ausdruck brachten, dass "sie nichts mehr verstünden". Man machte ihrerseits in Deutschland vier Experten aus, die beauftragt wurden, innerhalb "einer Woche" (!) einen umsetzbaren Vorschlag zu unterbreiten.

    Dies war dann so. Es folgte der sogenannte "neue Grundsatz Ia". Viele fachlich Unkundige in den Reihen der sogenannten Fachleute wetterten gegen diese Regelungen, weil sie sie als zu restriktiv hielten. Keine der Bedenken der Bedenkenträger erfüllte sich. Deutschland entwickelte sich zum beispiellosen Wachstumsmarkt in der Welt.

    Das Problem was dennoch entstand lag darin, dass zwar die Regelung da war, aber die Kompetenz in der Überwachung war nicht vorhanden und wurde nicht aufgebaut. Die Aussagen der gesetzlichen Regelungen im neuen Grundsatz Ia waren nicht verstanden worden und werden bis heute nicht verstanden.

    Es gab eine Beschäftigungstherapie in den Aufsichtsbehörden. Sie ist unter dem Namen "BASEL" bekannt geworden und ist m.E. die größte je dagewesene Fehlsteuerung im Bankenbereich. Die Eurokrise ist eine der Folgen.

    Mit fehlt der Glaube an "Derivate-Regeln" der EU.

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