Finanzmarkt
US-Regierung nimmt Hedge-Fonds an die Leine

Die Politik macht bei der Regulierung und Kontrolle der Hedge-Fonds-Branche ernst. Sowohl in den USA als auch in Europa wird mit Hochdruck an entsprechenden Regelwerken gearbeitet. Harte Verhandlungen sind dabei bereits vorprogrammiert: Während vor allem die Kontinental-Europäer auf eine restriktive Handhabung der Vorschriften drängen, verfolgen die USA und Großbritannien einen eher laxen Ansatz.

FRANKFURT. Das Team von US-Präsident Barack Obama hat einen Gesetzentwurf vorbereitet, der für alle Investmentvehikel, die ein verwaltetes Vermögen von mehr als 30 Mio. Dollar vorweisen, künftig eine Registrierung bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) vorschreibt. Die Regierung wolle auch in regelmäßigen Abständen in die Bücher der Fonds schauen, hieß es von Seiten des US-Finanzministeriums. „Diese Unternehmen stellen weiterhin ein unbekanntes Risiko dar. Der Mangel an Transparenz ist nicht vertretbar“, fügte ein Sprecher des Ministeriums hinzu. Die Regelung soll im Übrigen auch für Beteiligungsgesellschaften und Wagniskapitalgeber gelten. In politischen Kreisen waren diese Finanzmarktakteure für die anhaltende Finanzkrise mitverantwortlich gemacht worden.

Der in Washington vorgelegte Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass die Hedge-Fonds-Manager unter anderem Kennzahlen über deren Anlagekapital, über den Anteil der Fremdfinanzierung („Leverage“) sowie über deren außerbilanzielle Investments sowie über andere Unternehmensbeteiligungen veröffentlichen sollen.

Dem Entwurf zufolge soll die SEC die registrierten Körperschaften beaufsichtigen und die dabei gewonnenen Informationen der amerikanischen Notenbank (Federal Reserve Bank) zur Verfügung stellen. Geplant ist auch, die neu zu gründende Aufsichtsbehörde Financial Services Oversight Council mit diesen Informationen zu versorgen. Die Pläne der Regierung Obama sehen weiter vor, der Fed die Kontrolle über Finanzdienstleister zu übertragen, deren etwaiger Zusammenbruch die Märkte erschüttern könnte.

Der in Europa herrschende Streit in der Frage der Hedge-Fonds-Beaufsichtigung hat in diesen Tagen dazu geführt, dass sich die britische Seite jetzt offensichtlich innerhalb der EU Verbündete gegen eine zu scharfe Regulierung sucht. Dem Vernehmen nach sind Vertreter der britischen Regierung in den vergangenen Tagen in mehreren europäischen Hauptstädten unterwegs gewesen, um bei den Partnern eventuell bestehende „Vorurteile“ gegen Hedge-Fonds abzubauen.

Großbritannien will durchsetzen, dass das geplante EU-Gesetz zur Hedge-Fonds-Regulierung geändert wird, wie der britische Staatssekretär Paul Myners zu Beginn dieser Woche in London erklärte. Myners forderte auch die Hedge-Fonds-Branche zur Mobilisierung ihrer Kundschaft auf. Diese müssten sich bei den Politikern in ihren Ländern für die Vorzüge alternativer Kapitalanlagen wie Hege-Fonds und Private Equity einsetzen. Bekanntlich ist London seit vielen Jahren eines der führenden Hedge-Fonds-Zentren in der Welt.

Die EU-Kommission hat vor kurzem vorgeschlagen, Hedge-Fonds und andere weitgehend unkontrollierte Finanzinvestoren nicht nur einer Registrierungspflicht zu unterwerfen, sondern auch zur Offenlegung der getätigten Kapitalanlagen zu drängen. Während London auf eine stärkere Selbstregulierung der Branche setzt, will die französische Seite noch härtere Regeln. Paris drängt darauf, nicht nur den einzelnen Fondsmanagern, sondern auch den Fondsgesellschaften selbst eine entsprechende Meldepflicht aufzuerlegen.

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