Finanzmarktkrise
Fed-Chef Bernanke fürchtet weitere Turbulenzen

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat den US-Kongress dazu aufgefordert, den von der Regierung vorgeschlagenen Rettungsplan rasch voranzutreiben, um „sehr ernsthafte Folgen“ für die Finanzmärkte zu verhindern. Trotz des 700-Milliarden-Paketes befürchtet der Fed-Chef allerdings immer noch extreme Turbulenzen.

HB WASHINGTON. Die Situation an den internationalen Finanzmärkten ist nach den Worten von US-Notenbankchef Ben Bernanke weiterhin sehr angespannt. „Trotz der Anstrengungen der US-Notenbank, des Finanzministeriums und anderer Institutionen stehen die Finanzmärkte weiter unter erheblicher Anspannung“, sagte Bernnake am Dienstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats in Washington.

Die Notenbank unterstütze das Vorhaben der Regierung, den Banken problematische Wertpapiere abzukaufen. Dies werde die Liquiditätslage und die Preisfindung bei den entsprechenden Wertpapieren verbessern. Zudem werde dadurch die Unsicherheit reduziert und das Vertrauen in das Finanzsystem wiederhergestellt.

Neben kurzfristig angelegten Aktionen sprach sich Bernanke auch für grundlegende Maßnahmen aus. Für breitangelegte Vorhaben und Reformen seien aber genaue und ausführliche Analysen notwendig. Hierfür bleibe im gegenwärtigen Gesetzgebungsprozess zu wenig Zeit. Längerfristig sei ein stärkeres, robusteres und besser reguliertes Finanzsystem anzustreben, sagte Bernanke.

Bei den Verhandlungen über das Rettungspaket für die amerikanische Finanzbranche in Höhe von 700 Milliarden Dollar gibt es trotz erster Fortschritte weiterhin Differenzen zwischen der US-Regierung und den Demokraten im Kongress. Wie der TV-Sender CNN am Dienstag berichtete, herrsche vor allem in der Frage einer parlamentarischen Aufsicht weiterhin Uneinigkeit. Strittig seien auch die von den Demokraten geforderten Einkommensbeschränkungen für Topmanager der in Nöten steckenden Banken und Hilfen für bedrängte Hausbesitzer.

Auch US-Finanzminister Paulson drang darauf, den Rettungsplan schnell im Kongress zu beschließen. Der Gesetzgebungsprozess sollte nicht durch zusätzliche Forderungen erschwert oder verzögert werden, sagte Paulson. Im Kongress gebe es einen überparteilichen Konsens für eine schnelle Gesetzgebung. Da die Finanzkrise ein „neues Niveau“ erreicht habe und auf die Gesamtwirtschaft überzugreifen drohe, müsse die Wurzel des Problems angegangen und die illiquiden Hypothekenpapiere von den Bilanzen der Unternehmen entfernt werden, erklärte Paulson. Zugleich forderte Paulsen Reformen bei der Überwachung des Finanzsektors. Die gegenwärtigen Regulierungssysteme im Finanzwesen seien „überholt„ und müssten angepasst werden.

„Wenn wir diese schwierige Zeit überwunden haben – was wir schaffen werden – muss es unser nächstes Ziel sein, die Probleme in unserem Finanzsystem durch eine Reformprogramm anzugehen, dass unsere überholte finanzielle Regulierungsstrukturen repariert“, hieß es im Redetext Paulsons. Die grundlegende Ursache der Krise seien die faulen Kredite im US-Immobiliensektor. Die schwere Unruhe auf den Finanzmärkten berge „große Risiken für die US-Steuerzahler“. Doch das vorliegende Rettungspaket werde die Amerikaner weniger kosten als alternative Lösungen, versicherte Paulson erneut. Um die weiterhin nervösen Finanzmärkte zu beruhigen soll das Paket bis Ende der Woche verabschiedet werden.

Seite 1:

Fed-Chef Bernanke fürchtet weitere Turbulenzen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%