Finanzmarktkrise
Milliardenkredit für Island sorgt für Verwirrung

Nachdem Island in den vergangenen Tagen äußerst schwer von der Finanzkrise getroffen wurde und Premier Haarde sogar vor einer Pleite des Staates warnte, liegen die Nerven blank. Russland wies Meldungen zurück, sich mit einem Milliardenkredit an der Rettung des isländischen Finanzsystems zu beteiligen.

HB REYKJAVIK/MOSKAU. Während die isländische Nationalbank am Dienstag in Reykjavik mitteilte, das Russland dem Land mit einem Kredit über vier Milliarden Euro unter die Arme greife, kam aus Moskau ein Dementi. Es habe bislang noch nicht einmal eine entsprechende Anfrage Islands an Russland gegeben, sagte ein Sprecher des russischen Finanzministeriums. „Es gab keine Kreditverhandlungen mit Island“, betonte er.

Nachdem die isländische Zentralbank am Vormittag auf ihrer Webseite unter Berufung auf den russischen Botschafter in Island, Viktor Tatarinzew, erklärt hatte, Russland habe ein Darlehen zugesagt, hatte die isländische Krone, die am Dienstagvormittag zum Euro um 35 Prozent abgestürzt war, ihren Sinkflug gestoppt und war ins Plus gedreht.

Unterdessen übernahm die isländische Regierung die Kontrolle über ein weiteres Finanzinstitut, die Landsbanki. Die Finanzaufsicht des Landes teilte mit, die Filialen, Call Center und Geldautomaten und der Interzugang der Bank blieben wie gewohnt zugänglich.

Bereits Ende September hatte die Regierung Islands die drittgrößte Bank des Landes, Glitnir, verstaatlicht. An der Glitnir-Bank erwarb die Regierungen für 600 Millionen Euro einen Anteil von 75 Prozent.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew forderte indessen angesichts der Finanzkrise ein gemeinsames internationales Vorgehen. „Die internationalen politischen Probleme und die Krise des Weltfinanzsystems erfordern dringend gemeinsames Handeln“, sagte Medwedew in einer Videobotschaft, die am Dienstag auf der Kreml- Website veröffentlich wurde. „Es ist völlig offensichtlich, dass die Zeit für neue Entscheidungen gekommen ist.“

Möglicherweise ergeben sich erste Lösungsansätze in Luxemburg, wo die Finanzminister der Europäischen Union über die Bankenkrise beraten. Im Mittelpunkt steht ein besserer Schutz von Spareinlagen. Diskutiert wird über eine Anhebung der Mindestsicherungssumme von derzeit 20 000 auf 100 000 Euro. Die französische EU-Ratspräsidentschaft hat sich bereits für eine europaweite Garantie privater Spareinlagen bis zu einer Höhe von 100 000 Euro ausgesprochen. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde habe diesen Vorschlag am Dienstagmittag offiziell ihren Kollegen unterbreitet, verlautete am Rande des EU-Finanzministertreffens aus Diplomatenkreisen.

Ein gemeinsamer EU-Rettungsfonds für angeschlagene Geldinstitute ist bisher nicht geplant. Die Finanzminister der Euro-Länder hatten sich gestern darauf verständigt, größere Banken auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

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