Finanzminister beraten Brückenfinanzierung
Wie Athen schnell an 12 Milliarden kommen kann

Um die Finanznot in Athen zu lindern, schlägt Finanzminister Schäuble vor, Schuldscheine einzuführen. So könnte der Staat seine Rechnungen bezahlen – bis weitere Milliarden fließen. Doch es gibt noch weitere Optionen.
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Es ist ein Signal des guten Willens: Griechenland hat am Dienstag seine Schulden bei japanischen Investoren beglichen. Wie die japanische Großbank Mizuho mitteilte, überwies Athen 20 Milliarden Yen (144 Millionen Euro). Die sogenannten Samurai-Bonds hatte die griechische Regierung vor genau zwei Jahrzehnten an private japanische Investoren ausgegeben.

Dagegen wartet der Internationale Währungsfonds (IWF) weiter auf Rückzahlungen aus Athen. Eine für Montag fällige Rate von 456 Millionen Euro ging ebenfalls nicht ein, womit die beim IWF überfällige Summe auf gut zwei Milliarden Euro anstieg. Und bereits am kommenden Montag wird eine Rückzahlung in Höhe von 3,5 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) fällig.

Die Euro-Finanzminister diskutieren derzeit verschiedene Modelle, wie auf diese finanzielle Notlage reagiert werden kann. Mit der Brückenfinanzierung von rund zwölf Milliarden Euro soll Griechenland die Möglichkeit gegeben werden, seinen akuten Finanzbedarf zu decken und seine Banken zu stützen. Voraussichtlich am Mittwoch entscheiden die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz über die Brückenfinanzierung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat in dieser Runde laut Handelsblatt-Informationen den Einsatz von Schuldscheinen ins Spiel gebracht. So könnte die griechische Regierung in die Lage versetzt werden, noch Löhne und Renten und Rechnungen zu zahlen. Solche sogenannten IOU (Engl.: „I owe you“ = „Ich schulde Ihnen“) gelten dann als Ersatz für harte Euro.

So ein Schuldschein – auf Papier oder als elektronisches Dokument – ist das Versprechen eines Schuldners auf Zahlung. Der Staat könnte solche Scheine ausgeben, um die Löhne seiner Beamten und Angestellten zu begleichen, die Renten zu überweisen und Lieferungen zu zahlen: eine Art Staatsanleihe, aber ohne Zinsen. So könnte die Regierung die Zeit überbrücken, die es dauert, bis sie die Reformen angestoßen hat und die Milliarden eines dritten Hilfspakets fließen.

Um überhaupt noch Geschäfte zu machen, würden Händler und Dienstleister die Schuldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, erläutert der französische Finanzwissenschaftler Eric Dor. Wegen des Risikos wären die Schuldscheine allerdings weniger Wert als Euro.

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„Ein bis sechs Optionen“

Kommentare zu " Finanzminister beraten Brückenfinanzierung: Wie Athen schnell an 12 Milliarden kommen kann"

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  • Banken werden GR wieder einmal Geld leihen müssen!!!

    Wenn diese Banken dann das Geld zurückverlangen, wird wieder auf die "bösen" Banken verwiesen!

    Damit die Banken durch die Zahlungsausfälle der Staatsanleihen nicht in Konkurs gehen, kauft die EZB diese Staatsanleihen auf um die Sparer der Banken vor Verlusten zu schützen. Dann komt wieder das Geschrei, dass die EZB wieder einmal mit viel Geld die Banken rettet.

    Elegante Lösung der bankrotten Staaten, die Schuld den Banken zu geben! Nicht die Staaten erhalten das Geld von der EZB, sondern die Banken, die den Staaten das Geld gegeben haben! Problem gelöst, einen anderen Schuldigen gefunden, die Banken....

  • danke, gemacht

    https://www.change.org/p/deutscher-bundestag-volksabstimmung-%C3%BCber-kredite-an-griechenland-und-andere-staaten?recruiter=342854231&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink&sharecordion_display=control

  • Griechenland hält eine so starke Währung wie den EURO einfach nicht aus - wenn das Ventil wie die dauernde Abwertung wie zu Zeiten der Drachme nicht mehr existiert, wäre nur eine Änderung des Wirtschaftsverhaltens bzw. der Mentalität die Lösung - aber wer von uns ist so blauäugig und glaubt daran ?

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