Finanzminister-Treffen
Washington verliert die Geduld mit der Eurozone

Erst Obama, dann Finanzminister Geithner: Die USA erhöhen den Druck auf Europas Politiker, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Dabei wollen sie selbst neue Milliarden ausgeben. Auch Weltbank und IWF werden nervös
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WashingtonTimothy Geithner hat ein zurückhaltendes Auftreten. Seine Worte wägt er stets sorgsam ab, er spricht sanft und leise, so wie jemand, der es gewohnt ist, dass man ihm zuhört. Er weiß: Was der US-Finanzminister sagt, wird auf der ganzen Welt gehört.

So dürften auch Geithners jüngste Äußerungen in Berlin, Paris, Brüssel und Athen auf einige Resonanz gestoßen sein. Die europäischen Politiker seien sich sicher bewusst, dass sie mehr gegen die Schuldenkrise tun müssten, mahnte der Amerikaner am Mittwoch dem Sender CNBC. Schließlich seien sie lange im Rückstand gewesen. „Sie sind absolut engagiert, und sie haben die finanziellen Kapazitäten, die wirtschaftlichen Kapazitäten, um das Nötige zu tun“, so Geithner in feinster Diplomatie.

Mit anderen Worten: Tut verdammt noch mal mehr gegen die Krise.    

Auch die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, meldete sich zu Wort und drängte die europäische Politik zu koordinierten Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise aufgerufen. „Es gibt einen Weg aus der aktuellen Situation, wenn sich die Regierungen zu schnellen und kühnen Aktionen durchringen“, sagte Lagarde am Donnerstag in einer Telefonkonferenz anlässlich einer Veranstaltung des Asien-Pazifik-Wirtschafts-Kooperationsrates in San Francisco. Es gebe einen „Pfad der Erholung - es ist ein schmaler Pfad - aber wir können ihn gemeinsam bewältigen“.

Es ist nicht Geithners erste Mahnung an die Europäer. Aber sie hat besonderes Gewicht, denn am morgigen Freitag wird der Finanzminister an dem Treffen der EU-Ressortchefs in Polen teilnehmen. Das hat er noch nie getan, und durch seine bloße Anwesenheit erhöht er jetzt zusätzlich den Druck. „Die USA mischen sich jetzt stärker ein“, sagte Nicolas Veron der Brüsseler Denkfabrik Bruegel der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Besuch unterstreiche, wie nervös Washington über die Lage in Europa sei, so Julian Jessop, Chefökonom von Capital Economics in London.

Schließlich haben die USA einiges zu verlieren, sollte sich die Schuldenkrise in Europa weiter ausweiten. Geithners Umfeld zufolge will er deshalb Wolfgang Schäuble und dessen Kollegen auf dem Treffen dazu drängen, die bereits beschlossene Ausweitung des Euro-Rettungsschirms endlich festzuzurren. Auch die Banken gelte es zu schützen, sagte Geithner im Interview. „Es ist ausgeschlossen, dass die großen Länder Europas ihre Institutionen vor den Augen des Marktes im Risiko stehenlassen“.

Geithner erhob den Zeigefinger nur zwei Tage, nachdem US-Präsident Barack Obama die Europäer ermahnt hatte. „Solange die Euro-Krise nicht gelöst ist, werden wir weiterhin Schwächen in der Weltwirtschaft sehen“, hatte Obama gewarnt. „Wir leben heute in einer integrierten Weltwirtschaft. Das, was jenseits des Atlantiks oder des Pazifiks geschieht, hat gewaltigen Einfluss auf Amerika, auf unseren gesamten Kontinent, nicht nur auf die USA“.

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  • Herr US-Geithner und andere amerikanische - aber auch asia-tische, afrikanisch und lateinamerikanische (wir - ich woh-ne in Lima, Peru) haben sicher das Recht, längst "die Ge-dult" mit den Sandkastenspielen der (meisten) Europäer ver-loren zu haben. Aber was die Amerikanar (US) mit ihrem Land und ihrer (leider auch unserer de-facto) Währung ge-macht haben, ist völlig ausserhalb dieser Welt (aber auch der ihren?).

    Dr. Wolfgang Glüschke
    pedroventuro@live.com
    Lima, Peru

  • Was die "Neue Weltordnung" in Verbindung mit einer elitären "Eine-Welt-Regierung" anbelangt, deren brachiale Durchsetzung ja auch von offizieller Seite vehement dementiert wird, kann ich Ihnen hier noch ein paar besondere Schmankerl präsentieren:

    Einer der mächtigsten Männer unseres Weltgeschehens, David Rockefeller, lies sich im Juni 1991 vor der Bilderberger-Konferenz in Baden-Baden zu folgender Aussage hinreißen: "Wir stehen am Rande einer weltweiten Umbildung. Alles, was wir brauchen ist die richtige, allumfassende Krise, und die Nationen werden in die Neue Weltordnung einwilligen!" (Was sehen wir derzeit in der Welt? Allumfassende Krisen! Gesundheitssystem, Rentensystem, Börse, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Umweltzerstörung, Korruption, ... die Liste ließe sich beinahe unendlich fortsetzen!)

    Eine der deutlichsten Aussagen, welche je zu diesem Thema öffentlich getroffen wurde, kam vom jüdischen Großbankier James Warburg als er vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten am 17. Februar 1950 Folgendes verlauten ließ: "Wir werden zu einer Weltregierung kommen, ob sie dies mögen oder nicht. Die Frage ist nur, ob durch Unterwerfung oder Übereinkunft!"

  • Ich verstehe die anderen Völker durchaus. Wir sind damals Amok gelaufen, da gibt es nichts zu beschönigen auch wenn es begünstigende Umstände gab. Wenn ein Psychopath in meiner Nachbarschaft wohnt, wäre ich auch daran interssiert ihn "einzubinden". Deshalb muss Deutschland endlich beweisen, dass es seine Psychomacke im Griff hat. Solange wir aber gegen unsere natürlichen Interessen handeln und dies mit Selbstverleugnung oder Selbstüberhöhung kompensieren, werden wir "verdächtig" bleiben. Deshalb ist das Beste, was Deutschland machen kann, seine Interessen respektvoll, selbstbewusst und konsequent aber ohne Verbissenheit, Arroganz und Überheblichkeit zu vertreten, so wie es für einen psychisch gesunden Menschen auch selbstverständlich ist. Die Krise der europäischen Integration alter Art, deren Zeuge wir sind, ist dafür eine wunderbare Gelegenheit.

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