Finanzminister Venizelos
„Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“

Ein heller Kopf, scharfsinniger Analytiker und scharfzüngiger Redner: Griechenlands Finanzminister Venizelos scheut das offene Wort nicht und könnte das Land durch die Krise führen – als nächster Ministerpräsident.
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AthenWenn das griechische Parlament die Vertrauensfrage einer Regierung debattiert, geht als letzter Redner der Ministerpräsident ans Pult. So will es die Tradition. In der Nacht zum Samstag wurde in Athen mit dieser Tradition gebrochen. Bevor das Schicksalsvotum begann, sprach als letzter Finanzminister und Vizepremier Evangelos Venizelos. Das war ein Signal.

Giorgos Papandreou hat das Vertrauensvotum noch einmal gewonnen, aber mehr als einen ehrenvollen Abgang bedeutet das nicht. Die Blicke in Griechenland richten sich jetzt auf Venizelos. Er soll es richten, meinen viele – als nächster Ministerpräsident.

Als Papandreou ihn im Juni zum Finanzminister berief, zögerte Venizelos zunächst. Er wusste: der Sessel des Ministerbüros im 6. Stock des Finanzministeriums am Athener Syntagmaplatz ist ein elektrischer Stuhl, ein Schleudersitz. Beliebt macht man sich in diesem Amt nicht. Die Vermutung, Papandreou wolle seinen alten innerparteilichen Rivalen auf diese Weise verschleißen, drängte sich auf. 2007 hatte Venizelos sich um den Parteivorsitz der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) beworben, war aber in einer Urwahl Papandreou unterlegen. Dass Venizelos dennoch die Berufung zum Finanzminister akzeptierte, begründete er mit „patriotischem Pflichtgefühl“.

Er opfere seine eigene politische Zukunft den Interessen des Landes, erklärte er erst kürzlich. Dass er in Personalunion Vizepremier wurde, war im Juni seine Bedingung. Davon erhoffte er  sich die nötige Autorität, die ein griechischer Finanzminister in dieser Krisensituation braucht. Zuvor war er Verteidigungsminister gewesen. „Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“, sagte Venizelos beim Wechsel ins Finanzressort – und das meinte er ernst.

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„Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“

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"Nach dem Höhepunkt des Dramas kommt die Erlösung"

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  • Der gute Herr Venizelos ist ja als selbsternannter radikaler Erneuerer des korrupten griechischen Systems genau die richtige Wahl. Vollkommen unbeteiligt an den grandiosen Fehlentwicklungen seines Landes, und über jeden Zweifel bezüglich Korruption und Vetternwirtschaft erhaben. Hier mal ein kleiner Auszug aus dem Lebenslauf des Revolutionärs: Zwischen Oktober 1993 und März 2004 übte er in den Regierungen Andreas Papandreou und Konstantinos Simitis folgende Ämter aus:

    * Staatsminister beim Ministerpräsidenten und Regierungssprecher
    * Kommunikationsminister und Regierungssprecher
    * Minister für Verkehr und Fernmeldewesen
    * Justizminister
    * Kulturminister
    * Entwicklungsminister (verantwortlich für Energie, Industrie, Handel, Tourismus und Technologie)
    * Kulturminister

    In seiner zweiten Amtsperiode als Kulturminister von November 2001 bis März 2004 war Venizelos für die Koordinierung der Vorbereitung der Olympischen Spiele 2004 verantwortlich.
    Nach der Wahlniederlage der PASOK 2007 kandidierte er für den Parteivorsitz der PASOK, unterlag jedoch Giorgos Andrea Papandreou.

    Nach dem Wahlsieg der PASOK bei den Parlamentswahlen 2009 übernahm Venizelos am 7. Oktober 2009 das Amt des Verteidigungsministers in der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

    Im Rahmen einer Kabinettsumbildung nach Massenprotesten gegen den Sparkurs der Regierung berief Ministerpräsident Papandreou Venizelos im Juni 2011 in das auf Grund der griechischen Finanzkrise besonders wichtige Amt des Finanzministers sowie zum stellvertretenden Ministerpräsidenten.

    Nachdem Papandreou am 1. November 2011 völlig überraschend ein Referendum zu den Sparplänen angekündigt hatte, stellte sich Venizelos am 3. November offen gegen die Referendumspläne.[2] Quelle: WIKIPEDIA

  • Griechenland ist ja die Urheimat epischer Dramen. Gibt Venizelos jetzt den Odysseus vor Troja oder den Herakles im Stall des Augias?

    Beides verspricht uns noch ein großes und langwährendes Theater.

  • V. war doch noch vor ca. zwei Wochen krank. Da hat er sich aber schnell erholt, um in den Krieg ziehen zu können.
    Vielleicht musste er in dieser kranken Zeit nur von einigen gesund bearbeitet werden.

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