_

Finanzmisere eskaliert: Die Griechenland-Krise ist zurück

Griechenlands Finanzen sind desolater als bisher bekannt. Das bleibt den Ratingagenturen nicht verborgen. Standard & Poor's senkte den Daumen über dem Mittelmeerland. Die FDP schlägt Alarm und drängt die EU zum Handeln.

Der Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hat wieder Ärger mit seinen Haushaltszahlen. Quelle: AP
Der Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hat wieder Ärger mit seinen Haushaltszahlen. Quelle: AP

AthenAthen muss das Haushaltsdefizit 2010 erneut nach oben korrigieren. Überdies brechen jetzt die Steuereinnahmen weg. Damit ist fraglich, ob das Land in diesem Jahr seine Konsolidierungsziele erreichen kann. Vor diesem Hintergrund senkte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität Griechenlands am Dienstag von „BB+“ auf „BB-“. Zum Vergleich: Deutschland hat die Höchstnote „AAA“ von S&P. Zudem stellte S&P weitere Herabstufungen in Aussicht, sollte sich die Haushaltslage Griechenlands weiter verschlechtern.

Anzeige

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou kritisierte die Herabstufung. Die Entscheidung beruhe auf einer „unausgewogenen Beurteilung der jüngsten Beschlüsse des Europäischen Rats vom 25. März“ und spiegele „weder die bisherigen Anstrengungen noch die wirtschaftlichen Aussichten Griechenlands wieder“, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung des Finanzministeriums. S&P ignoriere auch die von der griechischen Regierung  eingegangene Verpflichtung, jeder Abweichung vom Konsolidierungsprogramm unverzüglich zu begegnen, um das Haushaltsdefizit bis zum Jahr 2015 auf etwa ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu senken. Griechenland habe ein ambitioniertes Privatisierungskonzept und ein Programm zur Nutzung staatlicher Liegenschaften vorgelegt, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2015 zusätzliche Einnahmen von 50 Milliarden Euro zu erzielen, um Staatsschulden abzubauen. Unter dem Strich, so die Erklärung des Athener Finanzministers, basiere die Herabstufung auf einer einseitigen und ungerechten Wertung der EU Gipfelbeschlüsse und der Haushaltsrisiken Griechenlands, ohne die Maßnahmen zu berücksichtigen, mit denen die Regierung diesen Risiken begegne.

Nachdem Papakonstantinou bereits das Defizit für das Budget 2009 im Lauf des vergangenen Jahres mehrfach nach oben  korrigieren musste und den Fehlbetrag schließlich auf 15,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezifferte, droht das gleiche jetzt für 2010. Bisher nannte die Regierung für 2010 eine Defizitquote von 9,4 Prozent. Tatsächlich dürfte der Fehlbetrag zehn Prozent vom BIP oder noch mehr erreicht haben. Das hat die EU-Statistikbehörde Eurostat bei einer Überprüfung der griechischen Statistiken festgestellt, wie griechische Medien heute berichten. Klarheit wird man am Donnerstag haben – dann will Eurostat in Brüssel die korrigierten Defizitzahlen veröffentlichen.

Der höhere Fehlbetrag im Budget ist vor allem auf die angespannte Finanzlage der öffentlichen Rentenkassen zurückzuführen: statt eines Überschusses von 900 Millionen Euro, wie zunächst veranschlagt, erwirtschafteten die Kassen Verluste, die sich auf mehr als 500 Millionen summieren könnten. Ein Grund für die Defizite der Versicherungskassen ist die hohe Arbeitslosenquote, die im Dezember auf 14,2 Prozent stieg.

  • 06.04.2011, 14:02 UhrAnonymer Benutzer: ProEuropacontraRechtsextreme

    Diese Ratings sind im Falle Griechenlands und irlands irrelevant, da diese Staaten sich derzeit über eine Finanzierungsfaszilität der EU finanzieren. Ihr Zweck dient vielmehr der Generierung einer nagativen Psychologie, um den politischen Willen zu erodieren, die EU und die Völker Europas zusammenzuhalten und nicht in nationalen Egoismen aufgehen zu lassen.

    Das wahre Problem liegt in der zu stark ausgeprägten Kurzsichtigkeit der sogenannten Konservativen gepaart mit Schwäche ihrer Regierungen! Keiner kann mir erzählen, dass wir momentan in Europa starke, handlungsfähige Politiker hätten vom Format eines Kohl oder Mitterand!!!

    Stichworte: Sarkozy, Merkel, Berlusconi (Normal, Komparativ, Superlativ)

  • 31.03.2011, 21:03 UhrAnonymer Benutzer: Wolfram.Wiesel

    Wer hat noch Hoffnung auf einen langfristig stabilen EURO?
    Wer glaubt noch den Politikern?
    Wer glaubt noch, dass Deutschland nicht ausgeplündert wird?

  • 30.03.2011, 13:39 UhrAnonymer Benutzer: Island

    Ein paar Zahlen zum Schluss:
    Seit Bestehen der EZB wurde die Geldmenge im Euroraum um 100 Prozent erhöht bei einen Gesamtwachstum von 20 Prozent! (BRD hatte Durchschnittlich 0,8 Prozent Wirtschaftwachstum)

    Der Immobilienmarkt in Spanien hatte innerhalb von 10 Jahren eine Wertsteigerung von 400 Prozent erlebt!

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International