Finanzplatz
Luxemburg: Die Finanzkrise trübt die Idylle

Auch das Großherzogtum ist in den Sog der Finanzkrise geraten. Luxemburg steht nun vor strukturellen Veränderungen. Der internationale Druck steigt. Experten erwarten, dass sich die Zahl der am Finanzplatz tätigen Banken in den nächsten Jahren um ein Viertel verringern wird.
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BERLIN. Die Erträge der Banken sind eingebrochen, viele Fonds verzeichnen riesige Wertverluste - auch das Großherzogtum Luxemburg ist in den Sog der Finanzkrise geraten. Den tief greifenden strukturellen Veränderungen der globalen Bankenlandschaft, die durch die Krise beschleunigt werden, kann sich Luxemburg nicht entziehen - zumal sich die Mutterbanken in ihren Heimatländern veränderten Marktbedingungen stellen müssen.

Hohe Werteinbußen privater wie institutioneller Investoren haben Vertrauensschäden verursacht, die das Anlegerverhalten verändern. So kommt es auf den nationalen wie grenzüberschreitenden Finanzmärkten zu Neuorientierungen, die sich auch am größten europäischen Fondsstandort in der Suche nach veränderten Geschäftsmodellen niederschlagen. Doch trifft Camille Thommes, Generaldirektor der Investmentfondsvereinigung Alfi mit Bezug auf den Luxemburger Finanzplatz den Nagel auf den Kopf, wenn er nach den Turbulenzen des letzten Jahres feststellt: "Wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen."

Dass Luxemburg breit aufgestellt ist, hat sich in der Krise als großer Vorteil erwiesen. Der Finanzplatz ist nicht vom regulären Bankgeschäft abhängig, sondern verfügt auch über ein breites Angebot an Dienstleistungen im Private Banking und im Versicherungsgeschäft - und kann als größter europäischer Fondsstandort auf weiteren Geschäftssäulen operieren.

Zudem wird das Investmentbanking mit großen Kredithebeln in Luxemburg traditionell recht klein geschrieben. Allerdings begrenzt dies nun dort die an wichtigen Finanzplätzen zu beobachtende starke Gewinnerholung führender Investmentbanken im Emissionsgeschäft wie im Wertpapierhandel.

Ein Blick auf die Bankdaten der Finanzmarktaufsicht CSSF für Ende Juli 2009 zeigt, dass sich die Bilanzsumme von 147 Banken am Platz auf etwa 826 Mrd. Euro belief - leicht gefallen von 931 Mrd. Euro zum Ende 2008 mit damals noch 152 Banken, davon 43 aus Deutschland, 21 aus Benelux und 14 aus Frankreich. Ende Juli 2009 verwalteten in Luxemburg 3 438 Anlagefonds einen Nettoinventarwert von etwas über 1 706 Mrd. Euro - das sind laut CSSF zehn Prozent weniger als vor zwölf Monaten.

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