Finanzsanktionen gegen Russland
„Europa könnte in den Abgrund stürzen“

Die Strafmaßnahmen des Westens gegen Russland wirken: Das Land plagen schwere Wirtschaftsprobleme. Würden noch Finanzmarktsanktionen verhängt, könnte das aber auch Westeuropa hart treffen, warnen mehrere Ökonomen.
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BerlinSchlimmer könnte die wirtschaftliche Lage für Russland derzeit kaum sein: Nach westlichen Sanktionen gegen Moskau wegen der Ukraine-Krise stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) der russischen Wirtschaft eine düstere Prognose aus. Es bestehe eine akute Rezessionsgefahr, warnte der IWF am Mittwoch in Washington. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im größten Land der Erde werde in diesem Jahr nur um 0,2 Prozent wachsen – statt der bisher veranschlagten 1,3 Prozent. Zudem rechnen die Experten mit einer massiven Kapitalflucht von rund 100 Milliarden US-Dollar (72,3 Milliarden Euro).

Eine IWF-Mission hatte sich seit dem 15. April in Russland aufgehalten. Die Führung in Moskau kämpft mit Konjunkturproblemen, einem Wertverfall des Rubel und einem immer schlechteren Investitionsklima. Ein anhaltender Konflikt könne zu zusätzlichen Strafmaßnahmen und einem weiteren Vertrauensverfall führen, betonte der IWF. Dies könnte die Investitionen und das Wachstum weiter schmälern. Die russische Zentralbank wurde ermutigt, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um der Krise entgegenzuwirken. Erwartet wird eine Inflation von mehr als 6 Prozent.

Trotz der düsteren Prognose denkt mancher Politiker schon an weitere Strafmaßnahmen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), brachte diese Woche gar Finanzmarktsanktionen ins Spiel. Der CDU-Politiker hatte es am Montag im Deutschlandfunk als erforderlich bezeichnet, auf die dritte Stufe der Sanktionen zu gehen und dann auch den Zugang zum Finanzmarkt einzubeziehen, „weil er der fühlbarste Bereich der Sanktionen ist“.

Unter Ökonomen löste die Forderung Alarmstimmung aus. Aus Sicht des Chefvolkswirts der Dekabank, Ulrich Kater, wäre eine flächendeckende Isolierung Russlands an den Finanzmärkten nach dem Vorbild Irans die „größtmögliche“ wirtschaftliche Strafaktion. „Würde Russland hierauf in ähnlichen wirtschaftlichen Dimensionen antworten, wären die gesamtwirtschaftlichen Rückwirkungen auch für Westeuropa erheblich“, sagte Kater Handelsblatt Online.

Der Wormser Wirtschaftsprofessor Max Otte teilt die Einschätzung. „Ulrich Kater ist eine einzelne Stimme der Vernunft in einem Ozean des Wahnsinns“, sagte Otte Handelsblatt Online. „Profilierungssüchtige Politiker wir Norbert Röttgen können Europa leicht in den Abgrund stürzen.“

Kommentare zu " Finanzsanktionen gegen Russland: „Europa könnte in den Abgrund stürzen“"

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  • Es ist doch eh geplant die westliche Bevölkerung zu verarmen und zu entmachten...
    Der Aufbau der NWO geht langsam voran....

  • Europa hat in der Rolle des "Säbelrasslers gegenüber Rußland" nichts verloren.

    Fest steht daß die Ukraine die Jahre nach dem Auseinanderfall der UdSSR nicht dazu genutzt hat sich durch Reformen spürbar und nachvollziehbar in Richtung einer demokratischen, westlichen Gesellschaft zu entwickeln.
    Wäre letzteres wenigstens im Ansatz erfolgt - wäre der ukrainische Paß schon alleine durch die Option Europa selbst für Russischstämmige sicher wesentlich attraktiver als eine russische Staatsbürgerschaft.
    Wenn man jedoch die Wahl hat von ukrainischen Potenaten und Oligarch(inn)en - oder russischen Potantaten und Oligarchen regiert zu werden - dann hat schon wegen Öl und Gas die Alternative Rußland einfach mehr zu bieten.

    Die Ukraine hat schlicht und ergreifend ihre Chancen nicht genutzt - Die baltischen Republiken waren da klüger. Dort dürfte sich mittlerweile selbst das Interesse russischstämmiger Besitzer eines roten EU-Reisedokuments an einer Heimkehr unter die Regentschaft eines Vladimir Putin in Grenzen halten.



  • Endlich mal ein sachlicher Artikel mit Zitaten aus Wirtschaft und Finanzen. Hoffentlich nehmen Sie den nicht auch wieder raus, wenn die Leserkommentare zu rasante werden. Sehr gut auch der Hinweis auf die Monroe-Doktrin, da fällt einem doch gleich die "Heilige Allianz" Russland+Preussen+Österreich ein.
    Es macht oft mehr Spass die Kommentare als den eigentlichen Artikel zu lesen!

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