International

_

Finanzskandal in Salzburg: Spekulation mit Steuergeldern

340 Millionen Euro sind dem Land Salzburg durch riskante Swap-Geschäfte verlorengegangen. Nun bemühen sich die Beteiligten um Schadensbegrenzung - und schießen sich auf eine Landesbeamtin ein.

In Salzburg, der Heimat der Mozartkugeln, wurden 340 Millionen Euro Steuergeld verzockt. Quelle: Reuters
In Salzburg, der Heimat der Mozartkugeln, wurden 340 Millionen Euro Steuergeld verzockt. Quelle: Reuters

Das Land Salzburg gehört sicherlich zu den schönsten Regionen in Österreich. Da ist die Stadt Salzburg, mit Mozart und Festspielen ein Touristenmagnet ersten Ranges. Und da ist die Umgebung mit Bergen und bestens präparierten Skipisten in Saalbach-Hinterglemm oder am Hochkönig.

Anzeige

Doch von einem Tag auf den anderen hat die Salzburger Postkarten-Idylle gewaltige Risse bekommen. Dem kleinen Bundesland in Österreich mit gut 500.000 Einwohnern droht auf einmal die große finanzielle Schieflage. Monika Rathgeber war noch bis vor wenigen Tagen eine allseits geschätzte Finanzexpertin in der Salzburger Landesverwaltung. Die 45-jährige Juristin leitete das Referat Budgetangelegenheiten und war damit für die Vermögensverwaltung des Landes verantwortlich. Heute ist Monika Rathgeber entlassen, bei der Staatsanwaltschaft liegt die Strafanzeige gegen sie vor. Ermittler haben inzwischen die Büros in der Landesverwaltung durchsucht.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

  • Irland

    Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

  • Griechenland

    Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

  • Spanien

    Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

  • Slowakei

    Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

  • Portugal

    Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

  • Frankreich

    Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

  • Niederlande

    Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

  • Slowenien

    Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

  • Zypern

    „Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Nicht nur Salzburg ist in Aufruhr, sondern gleich ganz Österreich und auch die Regierung in Wien. Die ehrgeizige Beamtin aus der Salzburger Landesverwaltung soll 340 Millionen Euro mit spekulativen Fremdwährungs-Swaps verspielt haben. „Sie hat die Politik getäuscht, sie hat den Landesrechnungshof und alle Kontrollinstanzen getäuscht“, wirft der stellvertretende Landeshauptmann (Ministerpräsident) David Brenner der entlassenen Referatsleiterin vor. Für das kleine Land Salzburg ist der Verlust von 340 Millionen Euro eine echte Bedrohung: Der ganze Landesetat hat gerade einmal ein Volumen von gut zwei Milliarden Euro.

Monika Rathgeber wird vorgeworfen, dass sie seit Jahren Verluste aus Fremdwährungsgeschäften in den Büchern der Salzburger Landesverwaltung versteckt habe. Im Jahr 2006 habe es das erste Mal Probleme mit isländischen Papieren gegeben, in die die Referatsleiterin mit Landesgeldern investiert hatte. Um die Verluste zu kaschieren, sei sie in noch riskantere Papiere eingestiegen – und habe wieder verloren. Untreue wird der 45-Jährigen nicht vorgeworfen, mit den riskanten Geschäften habe sie nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet. Vorgehalten wird der Frau allerdings, dass sie vom eigentlich für solche Geschäfte vorgeschriebenen Vier-Augen-Prinzip abgerückt sei und Unterschriften gefälscht habe. Ihre Geschäfte soll Frau Rathgeber auch über Frankfurt mit deutschen Instituten abgewickelt haben. Nach österreichischen Medienberichten war etwa auch die Deutsche Bank dabei.

  • 12.12.2012, 10:10 Uhrlensoes



    Oh, nach dem Spiegel gestern springt slowly HB auf die Toppmeldung.

    Wer legte denn nun die Zensurius-Hand auf diese Info ? In Österreich war sie schon letzte Woche in aller Munde.

    In einer grvavierenen Finanzkrise ist wohl aus Sicht "gewisser interessierter Kreise" ein derartiger Sachverhalt eher von "zweitrangigem Interesse" !!!. Lässt tief in die "Krisenangstpsycho" blicken.

    Ob da noch weitere Überraschungen aus der Banker-Zockerbude Österreich/Südeuropa einschl. Ratingdowngrade kommen ?.

  • 11.12.2012, 21:25 UhrROBERT_LEE

    Die Wutbürgerrede der Schottermitzi ist auch
    nicht ohne.

    "Wenn die Mitzi in den Wald ruft, kraxeln
    auch die Hirsche auf die Bäume."

    Hochgeladen von kondomsteuer

  • 11.12.2012, 21:01 UhrROBERT_LEE

    Die im Artikel erwähnte Finanzministerin
    Maria Fekter wird auch "Schottermitzi" genannt.

    Y.tube-Video anschauen: "Niemand nennt mich
    MITZI/MIZZI/MIZI"

    Heiliger Strohsack - ist das eine Harke!

  • Die aktuellen Top-Themen
Prozess: Syrien-Rückkehrer bei Kämpfen „meistens hinten“

Syrien-Rückkehrer bei Kämpfen „meistens hinten“

Ein Frankfurter Schüler zog nach Syrien, um gegen das Assad-Regime zu kämpfen. Vor Gericht hat sich der 20-Jährige jetzt erstmals zu seinem Motiv und seinen Einsätzen geäußert. Trotzdem bleibt noch vieles unklar.

Epidemie: IWF rechnet mit Finanzlücken in Ebola-Ländern

IWF rechnet mit Finanzlücken in Ebola-Ländern

Die Ebola-Seuche hat auch große wirtschaftliche Auswirkungen: Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen Ebola-Länder dringend mehr Geld, um die Folgen der Viruserkrankung zu bewältigen.

Habermas über Frankreich und Deutschland: „Beziehungen waren noch nie so miserabel“

„Beziehungen waren noch nie so miserabel“

Jürgen Habermas fällt in der deutschen Botschaft in Paris ein undiplomatisches Urteil über das Verhältnis der Nachbarländer. Für die Probleme macht der Philosoph vor allem Deutschland verantwortlich – aber nicht nur.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International