Finanzsystem
Auch Großbritannien will härtere Bonus-Regeln

Die deutsch-französische Attacke gegen übermäßige Bonuszahlungen in Banken ist in den angelsächsischen Ländern auf unterschiedliches Echo gestoßen. Während man in Großbritannien Bereitschaft erkennen lässt, notfalls auch mit schärferen Gesetzen gegen Bonusexzesse vorzugehen, hagelt es in den USA Kritik.

BERLIN/FRANKFURT/WASHINGTON. Sicher ist, dass die Debatte um internationale Bonusregeln für Banken im Mittelpunkt des G20-Finanzministertreffens Ende nächster Woche in London stehen wird.

„Der Schatzkanzler hat bereits unmissverständlich klar gemacht, dass sich die kurzfristige Bonuskultur der Banken ändern muss”, heißt es im britischen Finanzministerium. Neben den bereits eingeleiteten Reformprojekten werde Labour-Finanzminister Alistair Darling das Thema deshalb auch auf die Agenda des Treffens der G-20-Finanzminister Ende kommender Woche in London setzen.

Darling und andere Politiker fürchten, dass die Geldhäuser in Europas wichtigstem Finanzzentrum nach der Finanzkrise einfach zum Tagesgeschäft übergehen. George Osborne, der Finanzexperte der konservativen Opposition hält es für „absolut nicht akzeptabel“, dass Banken die von staatlichen Hilfen und Garantien profitierten, ihre Angestellten mit hohen Bonuszahlungen belohnen. Darling kündigte an, dass seine Regierung im Notfall bereit sei, mit gesetzlichen Mitteln gegen exzessive Bonuszahlungen vorzugehen. Konkrete Vorschläge für Gesetzesänderungen unterbreitete bislang aber weder die Opposition noch die Regierung. Gegenwind kommt von der Finanzindustrie. Die Banken warnen vor einem Massenexodus aus der City, falls Großbritannien versuchen sollte, die Banker-Boni radikal zu beschneiden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen mit einer gemeinsamen Initiative die G20-Länder beim nächsten Weltfinanzgipfel Ende September in Pittsburgh verpflichten, harte internationale Bonus-Regeln umzusetzen. Deutschland und Frankreich fürchten, dass Großbritannien und die USA keine Reform der Bonus-Systeme anpacken wollen, obwohl die millionenschweren Prämien als eine der Ursachen für die internationale Finanzkrise gelten. Kanzlerin Merkel sagte, es sei ärgerlich, dass einige Geldinstitute bei den Prämien fast genauso weitermachen wie vor der Finanzkrise. „Deshalb müssen wir überlegen, wie wir da einschreiten und wie wir das begrenzen.“

Während Frankreich bereits konkrete Vorstellungen für mögliche Sanktionen gegen Banken hat, die sich nicht an die Spielregeln bei den Bonus-Regeln halten, arbeitet Berlin noch an einem eigenen Ansatz. Aus Regierungskreisen erfuhr das Handelsblatt, dass man sich auch eine Begrenzung der Boni vorstellen könne. So sei denkbar, dass die Prämien einen bestimmten Prozentsatz des Grundgehalts nicht überschreiten dürften. Bis zu Treffen von Merkel und Sarkozy am kommenden Montag sollen die deutschen Pläne weiter ausgearbeitet werden, hieß es weiter.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß unterstützt die Überlegungen der Regierung. „Wir brauchen dringend den europäischen beziehungsweise internationalen Schulterschluss zur Begrenzung übertriebener und falsch konstruierter Banken-Boni und Managergehälter“, sagte Poß. Beim nächsten G20-Treffen Ende September müssten endlich verbindliche Regeln festgelegt werden.

Die US-Regierung hat zu den Sarkozy-Vorschlägen bislang geschwiegen, Analysten und Bankmanager reagierten dagegen verärgert. „Hier bricht sich Demagogie Bahn“, sagte Michael Holland vom Brokerhaus Holland & Co. In New York. „Wenn die besten und qualifiziertesten Banker nur noch dahin gehen, wo sie für ihre Arbeit entsprechend bezahlt werden, dann bleiben Sarkozy am Ende nur solche, die nicht den höchsten Standard haben“, sagte der Broker. Bruce Foerster, Präsident von South Beach Capital Markets in Miami, nannte die französischen Pläne bedrohlich. Der Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers fürchtet, dass US-Präsident Barack Obama auf dem G 20-Gipfel auf Einflüsterungen des französischen Präsidenten durchaus wohlwollend reagieren könnte. Obama habe schon in der Vergangenheit eine gewisse Bereitschaft gezeigt, solcherlei Vorschläge sympathisch zu finden, sagte Foerster.

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