_

Finanztransaktionssteuer: Mainhattan bläst zum Gegenangriff

Unwirksam und unsozial: Frankfurts Finanzbranche und Politik kritisieren die geplante Finanztransaktionssteuer von Merkel und Sarkozy. Damit wird die Luft für das EU-Führungsduo dünn. Sarkozy speckt seine Pläne schon ab.

Der Arbeitsplatz eines Börsenhändlers. Quelle: dapd
Der Arbeitsplatz eines Börsenhändlers. Quelle: dapd

FrankfurtBundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geben sich fest entschlossen, in Europa den Kauf oder Verkauf jeder Aktie und jedes Derivats mit bis zu 0,1 Prozent des Transaktionsvolumens zu besteuern. Die Steuer sollte helfen, die Spekulation an den Finanzmärkten einzudämmen und Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen. Sie persönlich sei auch bereit, einen Alleingang in der Euro-Zone und damit ohne Großbritannien zu wagen, hatte die Kanzlerin noch vor drei Wochen bekräftigt. Denn sie ahnte, dass der Finanzplatz London erbitterten Widerstand leisten würde.

Anzeige

Doch jetzt zeigt sich, dass es der Widerstand im eigenen Land und im eigenen Lager mindestens genauso stark ist: Nach dem Koalitionspartner FDP stellen sich auch immer mehr einflussreiche CDU-Politiker offen gegen die Initiative der Kanzlerin. Allen voran Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der vereint mit der Frankfurter Finanzlobby kämpft: „Wir können nicht einfach zustimmen, wenn wir sehen, dass der größte deutsche Finanzplatz geschwächt wird“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dem Handelsblatt.

Nicolas Sarkozy, der französische Präsident, kann bereits von einigen Schlachten in Sachen Finanztransaktionssteuer berichten. Er habe „ungeheure Pressionen aushalten müssen, Sie können sich nicht vorstellen, wie stark“, sagte er in einem Fernsehinterview am Sonntag Abend. Aber er halte an seinem Kurs fest, der Finanzsektor müsse für einen Teil des im Zuge der Finanzkrise angerichteten Schadens aufkommen. Allerdings taktiert auch Sarkozy. Er spricht von einer "kleinen" Steuer mit dem relativ bescheidenen Aufkommen von einer Milliarde Euro - und lässt weitgehend offen, welche Finanzprodukte von dieser Steuer erfasst werden sollen. Würde Sarkozy dagegen die Richtlinie der EU-Kommission, die gerne alle Finanzgeschäfte erfassen würde, hätte Frankreichs Finanztransaktionssteuer nach Angaben des französischen Bankenverbandes ein Aufkommen von 40 bis 50 Milliarden Euro.

Finanztransaktionen Wie Europa zu den Steuerplänen steht

  • Finanztransaktionen: Wie Europa zu den Steuerplänen steht
  • Finanztransaktionen: Wie Europa zu den Steuerplänen steht
  • Finanztransaktionen: Wie Europa zu den Steuerplänen steht
  • Finanztransaktionen: Wie Europa zu den Steuerplänen steht

Genau diese Unsicherheit ist es, die die Gegner der Steuer auf die Barrikaden treibt. Im Vordergrund für die Branche und die Landespolitik steht ein ganz eigennütziges Argument: „Geschäfte dürfen nicht von Frankfurt nach London oder anderswohin verlagert werden, ansonsten verlieren wir Arbeitsplätze,“ sagt Landesvater Bouffier. Er hält allenfalls eine Börsenumsatzsteuer, wie sie auch in London gilt, für möglich. Aber auch damit stellt er sich offen gegen den Beschluss des CDU-Parteitags von Leipzig Mitte November, die Steuer notfalls nur in der Euro-Zone einzuführen.

Merkels Koaltionspartner FDP hat sich längst gegen die Steuer positioniert - und nennt weitere Argumente. Fraktionschef Rainer Brüderle warnt vor einer Verlagerung der Finanzgeschäfte in unregulierte Märkte: „Das würde den Finanzplatz Deutschland schwächen und die Probleme nicht lösen“, sagte er dem Handelsblatt. Und er fügt einen weiteren Ablehnungsgrund hinzu: Am Ende seien ohnehin die Kunden die Benachteiligten, da die Steuer auf sie umgelegt würde. Brüderle weiß die FDP-Fraktion hinter sich – auch den Parteirebellen Frank Schäffler, der sagt: „Die Steuer trifft nur die Fleißigen, die vorsorgen und nicht vom Staat alimentiert werden wollen.“

  • 31.01.2012, 16:37 UhrAnonymer Benutzer: melia

    bezüglich der besseren indexfonds informieren sie sich bitte nochmal genau, wie der der einzelne anbieter diese Indexfonds konstruiert. In vielen dieser fonds ist nicht 1zu1 der index abgebildet sondern ne ganze menge kurioser derivastekonstrukte enthalten, die in der risikoerwartung den index abbliden. Sie können dann nämlich durchaus währunsderivate auf Yen in einem Dax konstrukt haben. Und darauf haben sie dann ja auch wieder die Steuer, ( Wegen der erhöhten Umschlaghäufigkeit derartiger derivate sogar noch mehr als auf aktien.)

  • 31.01.2012, 13:24 UhrAnonymer Benutzer: Revision

    Da muss ich @Otternase mit seinem Kommentar zu Ihrer Rechnung recht geben: Wenn jede, durch den Manager durchgeführte, Transaktion und damit Besteuerung auf den einzelnen Sparer umgelegt wird - und so wird es vermutlich laufen - sind Aktien wohl die bessere Wahl.
    Der einzelne Sparer führt ja mtl. nur eine Transaktion durch: Er kauft Fondsanteile für 100 €. Macht 10 Cent TAS. Wenn er seine Anteile am Ende wieder verkauft - sagen wir für 200.000 - werden wieder 200 € fällig. macht gesamt etwas 250 €. Für mehr Transaktionen ist er im Grunde nicht verantwortlich und kann das auch schwer selbst steuern. Natürlich ist das unrealistisch, zeigt aber dass die bisherige Konstruktion der verwalteten Fonds überholt sein könnte - zumal angeblich reine Indexfonds meistens auch nicht schlechter fahren.
    Insgesamt ist diese Steuer aus meiner Sicht unbedingt notwendig, muss aber selbstverständlich genau durchdacht und konzipiert werden.

  • 31.01.2012, 12:29 UhrAnonymer Benutzer: Rechner

    Schauen sie auf Seite 6 der Kommentare, dort habe ich eine Beispielrechnung eingestellt - und auch begründet, wieso die Belastung so hoch ist. Die Effekte der FTS gehen nämlich über die Besteuerung beim An- und später Verkauf der Fondsanteile durch den Sparer hinaus. In der Tat ist das sogar der kleinste - vernachlässigbare - Effekt.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International