Fingerabdrücke
USA bürden Airlines Milliarden auf

Auf die finanziell ohnehin schon arg strapazierte Flugindustrie kommt eine neue Kostenlawine zu: Die US-Regierung hat angekündigt, dass künftig die Fluglinien für das Sammeln von Passagierdaten bei deren Ausreise aus den USA verantwortlich sind. Zudem droht der Kongress mit Abschaffung der Visafreiheit.

WASHINGTON/DÜSSELDORF. Die neue Prozedur könnte die Airlines in den nächsten zehn Jahren rund 2,3 Mrd. Dollar kosten, sagte ein Beamter der US-Heimatschutzbehörde. Die Fluglinien hatten seit längerem mit dem Heimatschutzministerium darüber gestritten, wie das neue Verfahren – genannt US-Visit – umgesetzt werden soll.

Die Airlines verweisen dabei vor allem auf die grundsätzlich angespannte Lage seit den Anschlägen am 11. September 2001 und die stark gestiegenen Spritkosten. Die Fluglinien selbst kalkulieren die Kosten des Programms dabei noch deutlich höher als die US-Regierung. Sie gehen von 3,5 Mrd. Dollar aus.

Das Verfahren dabei ist aufwändig. So müssen die Fluglinien von Ausländern, die die USA verlassen, die Fingerabdrücke nehmen. Dabei ist noch unklar, wo dies geschehen soll, ob beim Check-In, am Flugsteig oder an speziell zu diesem Zweck eingerichteten Schaltern.

Die Zeitung „Washington Post“ zitiert den Vizepräsidenten der International Air Transportation Association, Doug Lavin, mit den Worten: „Das ist aberwitzig“. Nicht die Fluglinien sondern die Regierung seien für das Einsammeln der Passagierdaten zuständig. „Wir können es uns nicht leisten, ein Programm zu schultern, das der Regierung obliegt.“

Heimatschutzminister Michael Chertoff warf den Airlines umgekehrt „Obstruktion“ vor. Sie blockierten mit ihrer Weigerung die Stärkung der amerikanischen Einwanderungsgesetze. „Wir müssen uns entscheiden, wer diesen Kampf gewinnt“, sagte Chertoff kürzlich. „Sollen dies Fluggesellschaften sein oder aber jene Menschen, die glauben dass wir wissen sollten, wer unser Land verlässt?“

Tatsächlich existiert im US-Einwanderungssystem eine Lücke. So werden zwar die einreisenden Besucher erfasst, die seit kurzem dabei auch alle zehn Finger scannen müssen. Allerdings werden die Kontrollen bei der Ausreise der jährlich etwa 33 Mill. Gäste eher lax gehandhabt. So sammelten die Fluglinien beim Check-In für den Rückflug bislang lediglich die in den Pass gehefteten Abschnitte des Einreisedokuments ein – wenn überhaupt. Nach den Anschlägen vor fünfeinhalb Jahren hatte die 9/11-Kommission jedoch die klare Empfehlung ausgesprochen, sämtliche Ein- und Ausreisedaten zu erfassen, um Terroristen, Kriminelle und illegale Einwanderer aufspüren zu können.

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