Fingerspitzengefühl ist gefragt
De Hoop Scheffer erwartet eine schwierige Aufgabe

Der neue Generalsekretär der Nato muss gut taktieren und verhandeln können.

HB BRÜSSEL. Eines muss ein Nato-Generalsekretär besonders gut können: vermitteln. Da die 19 Mitgliedstaaten der Militärallianz ihre Entscheidungen im Konsens treffen, sollte der zivile Chef des Bündnisses ein Meister der Taktik und des gewieften Verhandelns sein. Vom kommenden Jahr an wird sich zeigen, ob der als nüchtern und verbindlich geltende Niederländer Jaap de Hoop Scheffer auf dem Brüsseler Spitzenposten genug Fingerspitzengefühl entwickelt.

Obwohl die 54 Jahre alte Nato die Zeit des Kalten Krieges gut überlebt hat und nach den Worten ihres scheidenden Generalsekretärs George Robertson die „weltweit größte dauerhafte Koalition“ ist, steht sie vor enormen Herausforderungen. Der bisherige niederländische Außenminister De Hoop Scheffer muss den anlässlich des Irakkrieges aufgebrochenen transatlantischen Graben überbrücken. Zudem kommt das Militärbündnis um weltweite Einsätze nicht mehr herum.

Erst im August hatte die Nato das Kommando über die etwa 5500 Mann starke Isaf-Militärmission in Afghanistan von Deutschland und den Niederlanden übernommen. 31 Nationen stellen Soldaten. Eine Ausweitung des Einsatzes wird derzeit überprüft. Im Irak ist die Allianz bereits engagiert: Sie unterstützt die dortige polnisch- spanische Division. Eine größere Rolle wird im Hauptquartier nicht ausgeschlossen - Entscheidungen gibt es aber bisher nicht.

Gespanntes Verhältnis zur EU

Parallel zur Europäischen Union (EU), deren Ministerratsgebäude nur wenige Kilometer vom Nato-Hauptquartier entfernt liegt, wird die Allianz im kommenden Jahr neue Mitglieder des früheren kommunistischen Machtbereichs aufnehmen. Es sind dies früheren Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen sowie Bulgarien, Rumänien, Slowenien und die Slowakei. Obwohl sich die beiden Organisationen in den vergangenen Jahren näher gekommen sind, ist das Verhältnis alles andere als spannungsfrei.

So ist die von der EU gewünschte Übernahme des Kommandos über die SFOR-Friedenstruppen in Bosien-Herzegowina umstritten. Die USA halten einen Kommandowechsel für verfrüht. Der Einsatz der SFOR mit rund 13 000 Soldaten sei viel schwieriger zu führen als der kleine Auftrag in Mazedonien, den die Europäer im Frühjahr mit 350 Mann von der Nato übernommen hatten.

Bei der EU wird De Hoop Scheffer auf seinen Vor-Vorgänger bei Nato treffen, den EU-„Chefdiplomaten“ Javier Solana. Vom Beauftragten für die gemeinsame europäische Sicherheits- und Außenpolitik können Spitzendiplomaten viel lernen, denn er gilt als Meister des Ausgleichs und der freundlichen Gesten.

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