Finnland
Die Angst vor den Russen

In Finnland wächst die Angst vor dem mächtigen Nachbarn im Osten. Denn Russen kaufen offenbar immer mehr strategisch wichtige Grundstücke auf. Die Politik nutzt die Stimmung vor der Wahl. Panikmache oder echte Bedrohung?
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StockholmFinnen sind allgemein für ihren Pragmatismus bekannt. Verschwörungstheorien liegen ihnen in aller Regel fern. Doch seit einigen Monaten hat sich etwas verändert. Die großen Boulevardzeitungen des nordeuropäischen Landes zeichnen in regelmäßigen Abständen ein Bild des Schreckens: Obskure russische Geschäftsleute würden Grundstücke in Finnland erwerben. Grundstücke, die in direkter Nachbarschaft zu strategisch wichtigen Einrichtungen lägen.

Die Angst vor dem übergroßen Nachbarn im Osten ist in Finnland in den vergangenen Monaten nicht nur wegen dieser Meldungen stetig gewachsen. Das Land an der europäischen Peripherie, aber mit einer fast 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland fühlt sich nach der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und dem Krieg in der Ostukraine bedroht.

Mehrere Verletzungen des finnischen Luftraums durch russische Kampfflugzeuge in diesem Jahr haben dieses Gefühl noch verstärkt. Und nun die Meldungen über das angeblich dramatisch gewachsene Interesse russischer Staatsbürger und Unternehmen an Grundstücken nahe von strategisch wichtigen Anlagen wie Stromleitungen, Mobilfunkantennen oder Munitionsdepots.

Panikmache oder tatsächliche Bedrohung? Tatsächlich hat es in den vergangenen Monaten einige Immobilien- und Grundstückskäufe durch Privatpersonen und Unternehmen aus Russland in der Nähe von militärischen Sperrgebieten gegeben.

Auch wurden vier stillgelegte Wachstationen an der Grenze zu Russland an russische Käufer veräußert. Die meisten Grundstücke, die an einen Käufer aus dem großen östlichen Nachbarland gingen, liegen allerdings an der finnischen Westküste. Bei ihnen handelt es sich um attraktive und sehr teure Seegrundstücke.

Ein finnischer Militär-Experte kommt in der Zeitung „Iltalehti“ zu Wort – anonym natürlich – und meint ganz sicher zu wissen, dass die russischen Käufer dieser Grundstücke vor allem eines im Sinn hätten: Sie sollen das russische Militär bei einer eventuellen Invasion in Finnland unterstützen, indem sie beispielsweise wichtige Seestraßen blockieren und Möglichkeiten für den Bau eines militärischen Stützpunktes für die russische Armee schaffen.

Vor allem haben sich die Boulevard-Zeitungen auf das Unternehmen Airiston Helmi gestürzt, das in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von Seegrundstücken in den Schären bei Turku erworben hat. Das Unternehmen mit Firmensitz in Helsinki gehört zwei Russen. Die Investitionen in die nicht gerade preiswerten Seegrundstücke begründen sie damit, dass dort mittelfristig Spa-Anlagen und Touristenhotels entstehen sollen. Gebaut worden ist jedoch bislang so gut wie nichts.

Kommentare zu " Finnland: Die Angst vor den Russen"

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  • @Frau Andrea Merker

    Russland hätte nämlich das Recht NATO Truppen auf ukrainischem Boden zu verhindern.
    .......
    Mit „Hätte, hätte Fahrradkette“ lässt sich ganz schlecht argumentieren bzw. darauf antworten oder sind wir im Kindergarten?!

    Mit dem Kindergarten bin ich voll bei Ihnen, nur dies hätte, hätte mit der Nato ist glücklicherweise nicht die Realität, dafür umsomehr russische Urlauber mit Panzern und Geschützen in der Ukraine.

    Schönen Abend noch.

  • @Herr Bihari Sharan
    "Wenn Ihnen ein Argument nicht passt, werfen Sie ihrem Gegenüber vor, die Nazi-Keule zu schwingen."

    Ein absurder Nazivergleich ist kein Argument bzw. lediglich ein Totschlagargument!

    "Vor Monaten haben Sie ja schon bedauernd festgestellt, dass er dies nicht schon längst getan hat - als Kampf gegen den "Welt-Aggressor"."

    Ja, sehen sie ich bin aber ehrlicher als Sie bzw. diejenigen die sie hier ständig verteidigen. Russland hätte nämlich das Recht NATO Truppen auf ukrainischem Boden zu verhindern.

    Haben die westlichen Regierungen, natürlich mit besorgten Minen, nicht erfreut den feudal-arabischen Regierungen zugestimmt bei deren brachialen militärischen Eingreifen im Nachbarland Jemen, mit der Rechtfertigung der längst abgesetzte Präsident vom Jemen hätte um ausländische Militärintervention gebeten?! Das hätte Putin doch auch aufgrund der Maidanrebellion tun und Janukowitsch zu Hilfe eilen können, oder?! Aber was wäre dann wohl im westlichen “Medienwald“ los gewesen?!

    Was hört man denn noch in den westlichen Medien vom weiteren feudal-arabischen Vorgehen im Jemen?! Nichts bis gar nichts mehr, dabei rollen wahrscheinlich schon längst saudische Panzer und stellen die feudale Ordnung wieder her und ganz nebenbei wird Al-Qaida ein bisschen aufgepäppelt.
    So sehen die sogenannten westlichen Werte aus!

    Mit „Hätte, hätte Fahrradkette“ lässt sich ganz schlecht argumentieren bzw. darauf antworten oder sind wir im Kindergarten?!

  • UND: meinen Sie nicht auch, dass er nur mit "grünen" Männchen herumgehampelt hätte, wenn die Weltgemeinschaft sich nicht gegen seine Ukraine-Ambitionen gestellt hätte? Wäre er in der Ukraine erfolgreich gewesen, meinen Sie etwa, die drei baltischen Staaten mit ihrem hohen Anteil an russischer Bevölkerung wären nicht von ihm "befreit" worden?

    Wenn Sie diese Frage eindeutig mit Nein beantworten könnten, wäre ich gespannt auf ihre inhaltliche Begründung - die dann übrigens die nicht erfolgte Auseinandersetzung mit dem Argument des Vorkommentator gewesen wäre.

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