Finnland
„Euro-Bonds sind ausgeschlossen“

Jutta Urpilainen fordert eine gemeinsame Moral in der EU und eine Regulierung der Finanzmärkte. Die finnische Finanzministerin glaubt zudem, dass die Krise Deutschlands Position in der EU gestärkt hat.

DIE ZEIT: Frau Urpilainen, es ist kurz nach 14 Uhr. Wann haben Sie das letzte Mal geschaut, was an der Börse los ist?

Jutta Urpilainen: Heute Morgen. Seitdem war ich beschäftigt.

Wie oft checken Sie als Finanzministerin die Kurse?

Normalerweise werde ich dreimal am Tag informiert. Und an Tagen, an denen etwas Ernstes geschieht, natürlich öfter.

Wissen Sie, wo die finnischen Staatsanleihen heute stehen?

Den genauen Kurs kenne ich nicht. Aber ich mache mir auch keine Sorgen um die finnische Situation. 

Dennoch sind in der vergangenen Woche auch die finnischen Staatsanleihen unter Druck geraten. Bedeutet das, dass kein Land in der Euro-Zone mehr sicher ist?

Es ist offensichtlich, dass das, was in einzelnen Ländern der Euro-Zone geschieht, alle anderen berührt. Und damit auch uns. Was wir deshalb am dringendsten brauchen, sind gute Nachrichten aus Italien und Griechenland. Die neuen Regierungen dort müssen endlich anfangen, ihre Wirtschaften und Gesellschaften zu reformieren.

Was erwarten Sie?

In Griechenland müssen alle großen Parteien schriftlich erklären, dass sie die notwendigen Reformen zur Sanierung des Landes unterstützen. Das haben die Finanzminister der Euro-Zone Anfang November gefordert.

Vor allem die griechischen Konservativen zögern.

Leider. Für Finnland kann ich sagen: Ohne eine solche Erklärung werden wir nicht dafür stimmen, das Griechenland weiter Hilfe bekommt.

Finnland hat eine robuste Wirtschaft und vergleichsweise wenig Schulden. Sie erfüllen alle Kriterien des Stabilitätspaktes. Trotzdem steigen Ihre Zinsen, weil Athen zögert. Ist diese Abhängigkeit nicht frustrierend?

So ist das nun mal. Wir haben eine kleine, exportabhängige Wirtschaft. Was in Europa geschieht, hat unmittelbare Auswirkungen auf Finnland.

Finnland ist das einzige skandinavische Land, das den Euro eingeführt hat. Wünschen Sie sich manchmal, Sie hätten es nicht getan?

Auch in Finnland hat die Skepsis gegenüber Europa zugenommen. Aber die große Mehrheit der Finnen steht nach wir vor hinter dem Euro. Die meisten Menschen wissen, dass unsere Wirtschaft von der gemeinsamen Währung profitiert.

Also bedauern Sie es persönlich nicht?

Nein.

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