Finnland im Wahlkampf
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Finnland ist im Wahlkampf. Die Sozialdemokraten müssen am Sonntag zittern, ob sie erneut zweitgrößte Partei hinter dem Zentrum werden. Holen die oppositionellen Konservativen weiter so auf wie in den vergangenen Tagen, könnte es erstmals seit langer Zeit eine bürgerliche Regierung geben.

STOCKHOLM. Zwei Kinder stehen vor dem großen Schulportal. Das eine hält einen Apfel in der Hand, das andere einen Bund Geldscheine. Die Schultür öffnet sich mit lautem Knarren, eine Hand greift heraus – und zieht den Pennäler mit dem Bund Barem durch die Tür. Klappe zu – Spot aus.

Finnland ist im Wahlkampf. Und obwohl das Land seit Jahren bei der Pisa-Studie den Spitzenplatz belegt und zum Pilgerziel deutscher Bildungspolitiker geworden ist, ist die Bildungspolitik plötzlich ein Thema. Jedenfalls für den Urheber des Wahlspots, den mächtigen finnischen Gewerkschaftsbund. Bildung darf keine Sache des Geldbeutels sein, so die Botschaft, mit der die Gewerkschaft zur Stimmabgabe für die Sozialdemokraten motivieren wollte.

Doch der Spot wurde zum Flop in einem Land, das anerkanntermaßen eines der besten Bildungssysteme Europas hat. Polarisierung ist nicht Sache der Finnen, und deshalb hat wohl auch der amtierende Regierungschef Matti Vanhanen einen solchen Erfolg. Er sieht nicht aus wie ein Sieger-Typ, ginge eher als Buchhalter irgendwo in einem kleinen Dorf in Ostfinnland durch. Und doch sagen die Meinungsumfragen dem stets schüchtern wirkenden Premier und seiner rechtsliberalen Zentrumspartei einen klaren Vorsprung voraus: Fast ein Viertel der Wähler will ihm die Stimme geben. Er profitiert mehr als die beiden anderen Regierungspartner von der guten wirtschaftlichen Situation des Landes.

Die Sozialdemokraten, Vanhanens Koalitionspartner, müssen bei den Wahlen am Sonntag sogar zittern, ob sie erneut zweitgrößte Partei hinter dem Zentrum werden. Holen die oppositionellen Konservativen weiter so auf wie in den vergangenen Tagen, könnte es sogar erstmals seit langer Zeit eine bürgerliche Regierung aus Zentrum, Konservativen und der liberalen Partei für die schwedischsprachige Minderheit geben.

Anders als in den meisten anderen europäischen Ländern gibt es im hohen Norden kaum Berührungsängste zwischen den Parteien: Der frühere sozialdemokratische Regierungschef Paavo Lipponen, der in dieser Woche seine aktive politische Laufbahn beendete, regierte jahrelang mit einer so genannten Regenbogen-Koalition aus Sozialisten, Konservativen, Grünen und Liberalen.

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