Firmen feuern Immigranten aus Furcht vor Anzeigen: Spanien bekämpft Schwarzarbeit

Firmen feuern Immigranten aus Furcht vor Anzeigen
Spanien bekämpft Schwarzarbeit

Spanien will die Schattenwirtschaft mit einer neuen Immigrationspolitik zurückdrängen: Illegale Einwanderer, die einen Großteil der spanischen Schwarzarbeiter stellen, können künftig deutlich leichter eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen – und dadurch auch einen legalen Job annehmen. Die spanische Regierung erhofft sich dadurch zusätzliche Steuer- und Sozialabgaben. Migrationsexperten warnen allerdings vor Massenentlassungen.

MADRID. Die Schattenwirtschaft hat in dem Land gewaltige Ausmaße erreicht. – Volkswirte beziffern die Schwarzarbeit auf rund 22 Prozent des offiziell ausgewiesenen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit liegt Spanien in der Euro-Zone auf einem der vorderen Plätze. In Spanien sollen ab sofort rund 800 000 ausländische Schwarzarbeiter legal arbeiten dürfen. Denn jeder, der mehr als sechs Monate im Land ist und für die kommenden sechs Monate einen Arbeitsvertrag vorweisen kann, bekommt künftig eine Aufenthaltsgenehmigung – und die ist Voraussetzung für Jobs außerhalb der Schattenwirtschaft. Mehr als zwei Millionen Nicht-EU-Ausländer leben derzeit in Spanien, bei mehr als der Hälfte ist das Drei-Monats-Touristenvisum, mit dem sie eingereist sind, schon seit Jahren abgelaufen. Fehlende Kontrollen in den acht Jahren der konservativen Regierung unter José María Aznar haben die Zahl drastisch in die Höhe schießen lassen. Auch weil die boomende spanische Wirtschaft die billigen Arbeitskräfte aus Nordafrika, Osteuropa und Lateinamerika brauchte.

Aber der Wirtschaftsboom in Spanien hat seinen Höhepunkt bereits Ende der 90er-Jahre überschritten. Statt um jährlich mehr als vier Prozent wuchs das BIP 2004 nur noch um 2,7 Prozent. Mit dieser Rate soll es in diesem Jahr weiter gehen, erwartet die OECD. Für 2006 prognostiziert sich drei Prozent. Damit wächst Spanien zwar noch immer schneller als der EU-Durchschnitt – aber viele Unternehmen wandern in Richtung Mittel- und Osteuropa ab, wo die Löhne noch niedriger sind.

Die legalisierten Schwarzarbeiter könnten schon bald auf der Straße stehen, befürchtet Eduard Sagarra, Immigrationsexperte bei der Businessschule Esade in Barcelona. Spanien hat mit elf Prozent bereits einer der höchsten Arbeitslosenquoten in der EU, ein Drittel der Jobs sind Zeitverträge. Angela Gallifa, Dozentin an der Businessschule Iese in Barcelona, fordert die Regierung auf, neben der Legalisierung der Schwarzarbeit auch den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren. „Wir brauchen mehr Teilzeitjobs, kreativere Gestaltungsmöglichkeiten bei Verträgen und billigere Kündigungen.“

Schon jetzt gibt es Massenentlassungen von illegal Beschäftigten in arbeitsintensiven und saisonabhängigen Sektoren wie der Landwirtschaft, dem Tourismus und auf dem Bau. Viele der kleinen Firmen schließen, um so ein Strafverfahren zu umgehen. Denn mit der neuen Gesetzgebung können Arbeiter ohne Aufenthaltsgenehmigung den Unternehmer, der sie schwarz beschäftigt hat und jetzt nicht bereit ist, ihnen einen Vertrag zu geben, anschwärzen. Die Regierung hat zudem schärfere Kontrollen angekündigt. Firmen, die sich nicht an die neuen Spielregeln halten und weiter Ausländer schwarz beschäftigen, müssen 60 000 Euro pro fehlendem Arbeitsvertrag bezahlen.

Immigrationsexperte Sagarra glaubt, dass die dadurch für die Unternehmen entstehenden höheren Personalkosten langfristig auch eine Auswirkung auf die spanische Teuerungsrate haben werden: „Derzeit bewegen wir uns bei um die drei Prozent.“ Er rechnet damit, dass die Inflation in den kommenden Jahren nicht sinken wird.

Durch die Legalisierung der Schwarzarbeit könnte Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero zudem auch einige Wähler gegen sich aufbringen. Denn viele der Lateinamerikaner und Osteuropäer ohne Aufenthaltsgenehmigung pflegen derzeit zum Spottpreis alte Menschen, hüten Kinder und stemmen in vielen spanischen Familien den gesamten Haushalt. Nur wenige arbeitende Eltern können sich diese Dienstleistungen zu Preisen eine normalen Angestelltenverhältnisses leisten.

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