Firmenbefragung Deutsche Wirtschaft trotzt der Tunesien-Kritik

Arbeitslosigkeit, Chaos, Anarchie: Ein Bild Tunesiens, das die Nachrichten der deutschen Medien über das Land bestimmt. Doch stimmt das? Die deutsche Wirtschaft jedenfalls sieht das anders.
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Trotz Revolution - die Menschen in Tunesien gehen noch immer auf die Straße und demonstrieren für mehr politische Freiheit. Quelle: Reuters

Trotz Revolution - die Menschen in Tunesien gehen noch immer auf die Straße und demonstrieren für mehr politische Freiheit.

(Foto: Reuters)

Berlin/TunisVor genau einem Jahr bekam die islamische Ennahda-Partei in Tunesien den Wahlsieg zugesprochen - und nun ist sogar alles schlimmer: Krawalle vor der US-Botschaft, Schlachten der Polizei mit Demonstranten, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit, Tunesien versinkt in Chaos und Anarchie. Dem sonnigen arabischen Frühling folgt ein dunkler Winter. Das ist das Bild, das viele Medien aus dem kleinen nordafrikanischen Land transportieren, das als erstes nach einer Revolution seinen Diktator Ben Ali stürzte und in die Flucht schlug.

Das ist das Bild. Doch die Realität ist differenzierter: "Das Land funktioniert - und vor allem seine Wirtschaft", sagt Dagmar Ossenbrink, Geschäftsführerin der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer in Tunis (AHK).

Dabei verlässt sich die Expertin nicht nur auf ihr Bauchgefühl, sondern auf harte Fakten: Rechtzeitig zum Jahrestag der ersten freien Wahl in Tunesien seit dem Sturz des Diktators Ben Ali hat die AHK ihre Mitgliedsfirmen befragt, das Ergebnis ist verblüffend: Zwar hat sich auch bei den in Tunesien ansässige deutschen Unternehmen die Geschäftserwartung eingetrübt. Doch zeigt die dem Handelsblatt vorliegende Firmenbefragung, die heute veröffentlicht wird: Der Grund für eine Abkühlung ist die sinkende Konjunkturerwartung im Westen und nicht die Lage in Tunesien selbst.

"Tunesiens Wirtschaft ist überraschend stabil", sagt AHK-Chefin Ossenbrink. Und das Interesse der deutschen Firmen trotz aller Alarmmeldungen aus dem Land offenbar auch: "Es gibt sogar einzelne neue Interessenten" für die Eröffnung eines Standortes, weiß Ossenbrink. Schon jetzt sind 680 deutsche Firmen in dem zehn Millionen Einwohner zählenden Land aktiv. Nur zehn Prozent von ihnen rechnen wegen der schwierigen politischen Lage mit einem Rückgang ihres Geschäfts. Die doppelte Anzahl stuft den Geschäftsverlauf positiv ein. 60 Prozent der befragten deutschen Firmen rechnen mit dem dem Halten ihres Personalbestands am südlichen Mittelmeer, ein Zehntel will die Zahl ihrer Mitarbeiter sogar ausbauen - und das trotz des negativen Bild des Landes, das einige Medienberichte transportieren.

  • mbr
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