Fischer sieht historischen Schritt
Taliban wollen zur Karsai-Einführung bomben

Die Zeremonie zur Amtseinführung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai wird von Anschlags-Drohungen der radikal-islamischen Taliban überschattet.

HB KABUL. Die Zeremonie ist am Dienstag im Präsidentenpalast in Kabul im Beisein von US-Vize-Präsident Dick Cheney und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geplant. Als Vertreter der Bundesregierung nimmt der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Hans Martin Bury, teil. Bundesaußenminister Joschka Fischer sandte Karsai Glückwünsche zur Amtseinführung. Karsai wird voraussichtlich in der nächsten Woche sein Kabinett vorstellen.

Mullah Dadullah, ein militärischer Anführer der Taliban, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Bevölkerung solle mögliche Ziele, wie Regierungs- und militärische Einrichtungen während der Zeremonie meiden. „Wir wollen nicht unschuldige Menschen verletzen“, sagte er. Die Taliban-Kämpfer hätten den Befehl erhalten: „Wenn ihr eine Chance bekommt, unterbrecht die Zeremonie“. Er lehnte es ab, Einzelheiten zu nennen. Ziel sei es, Ausländer daran zu erinnern, dass Moslems gegen die Besatzung Afghanistans kämpften. Die Taliban hatten mit zahlreichen Anschlägen bei der Präsidentenwahl am 9. Oktober gedroht. Die Abstimmung, die Karsai für sich entschied, verlief jedoch weitgehend reibungslos. Die Taliban waren Ende 2001 mit Unterstützung der USA gestürzt worden. Seither verüben sie immer wieder Anschläge.

Nach Angaben der von der Nato geführten Friedenstruppen wurden für die Zeremonie sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Cheney ist der ranghöchste US-Politiker der das Land seit dem Sturz der Taliban besucht. Ein US-Militärsprecher sagte, schnelle Eingreiftruppen der Boden- und Luftstreitkräfte seien Teil eines umfassenden Plans, um jeder potenziellen Aktion Militanter zu begegnen. „Es ist für jeden möglichen Eventualfall geplant worden“. Alle wichtigen Straßen und Plätze in Kabul seien gut gesichert, sagte er. Ausländische Truppen stünden bereit, um Sprengsätze zu entfernen und unter anderem medizinische Hilfe zu leisten. Vorsichtshalber seien die prominenten Persönlichkeiten, die an der Zeremonie teilnehmen, gebeten worden, ihre Blutgruppen mitzuteilen.

Fischer erklärte: „Die Vereidigung von Herrn Karsai stellt einen Meilenstein dar in dem historischen Prozess des politischen Wiederaufbaus Afghanistans. Er ist der erste frei gewählte Präsident seines Landes“.

Im Rahmen seiner Regierungsbildung führte Karsai einem Sprecher zufolge am Montag Unterredungen mit seinem politischen Erzrivalen Junus Kanuni. Kanuni hatte bei der Wahl am 9. Oktober - weit abgeschlagen - die zweithöchste Stimmenzahl auf sich vereinen können. Er gehört der zweitstärksten Bevölkerungsgruppe in Afghanistan, den Tadschiken an, Karsai der paschtunischen Bevölkerungsmehrheit. Analysten zufolge ist Karsai gezwungen, mehrere regionale Kriegsherren in seine Regierung aufzunehmen, um sich deren Unterstützung gegen die Taliban und die Al-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden zu sichern.

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