Fiskalklippe
„Der Haushaltskompromiss schwächt die USA“

Ökonomen kritisieren den US-Haushaltskompromiss. Die einen wollen mehr sparen - andere fürchten um den Sozialstaat. Es droht neue Unsicherheit. Top-Ökonom Sachs meint, es wäre besser gewesen, über die Klippe zu springen.
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DüsseldorfDer renommierte US-Ökonom Jeffrey Sachs machte seinem Ärger über den US-Haushaltskompromiss auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Luft. Kurz nachdem das Repräsentantenhaus dem Plan zugestimmt hatte, schrieb er: "Es ist interessant wie empört sowohl Liberale als auch Konservative über den [Haushalts-] Kompromiss sind. Sie sind sich einig, dass der Prozess schauderhaft war - ohne Transparenz."

Wenn es nach Sachs gegangen wäre, hätten die Demokraten im Repräsentantenhaus den Kompromiss kurzerhand abgelehnt. Aus seiner Sicht wäre es besser, wenn die Steuersenkungen der Bush-Ära auslaufen und die automatischen Haushaltskürzungen einfach in Kraft treten würden. Der Verzicht darauf schwäche die Handlungsfähigkeit der amerikanischen Regierung dramatisch. Fast alle Mittel des Staates seien dann für Pensionen, Sozialausgaben und Militär verplant, schrieb Sachs noch vor der Verabschiedung in einem Gastbeitrag in der Huffington Post. Selbst wenn beim Militär gespart würde, bliebe nicht genug Geld für nötige Investitionen in Erziehung, Wissenschaft, Infrastruktur und erneuerbare Energien.

Aus Sicht von Sachs sollten die Steuern in den USA wieder auf das Niveau unter Präsident Clinton steigen. Damals sei der Haushalt ausgeglichen und das wirtschaftliche Umfeld positiv gewesen.

Ganz so pessimistisch wie Sachs sind andere Ökonomen nicht. "Wenn es keinen Kompromiss gegeben hätte, würden die USA und Europa in eine Rezession stürzen," sagte Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen Handelsblatt Online. Verglichen damit, sei der Kompromiss hilfreich. Auch der an der Universität Chicago lehrende deutsche Makro-Ökonom Harald Uhlig wertet den Kompromiss als Schritt nach vorn. Er kritisiert jedoch, dass die Problematik der langfristigen Schulden der sozialen Sicherungssysteme weitgehend ausgeklammert worden sei. "Viel wurde nicht erreicht" und einiges habe sich sogar verschlechtert, sagte Uhlig Handelsblatt Online.

Weitere Verhandlungen seien deshalb dringend nötig. Die werde es auch geben, denn bis Februar müssen sich die US-Politiker auf eine Erhöhung der Schuldengrenze einigen. Uhlig ist allerdings skeptisch, ob sich die Parteien beim nächsten Mal auf eine langfristig sinnvolle Politik einigen.

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  • Insgesamt ein guter Artikel, da mit Hr.Sachs auch mal eine
    andere Grundhaltung vorgestellt wird. Dennoch ist die Frage, ob ein zurück zur "Zeit von Clinton" noch machbar wäre.
    Wenn ein bestimmter Punkt überschritten ist macht sich das
    Schulden-System selbstständig, die Zins-Zinseszins -Entwicklung verläuft exponentiell. OK, 55 Milliarden-
    kürzungen bei diesem aufgeblähtem Militärapparat wäre
    schon ein Zeichen der Hoffnung auf mehr Zurückhaltung in
    der Welt, ein woanders investierte Dollar ist effektiver!
    Welche Wirkung hätte ein Spar-Zeichen an die Welt ?
    Egal, da nur hopothetisch. Die steigenden Schulden sind
    schon ein gewünschtes Instrument im Sinne des "Economic
    hit man" von Perkins. Das Buch beschreibt das natürlich besser.

  • Die USA können sich ökonomisch ohnehin nur noch so lange über Wasser halten, wie Erdöl in USD gehandelt wird. Müßten die USA ihre Schulden in Fremdwährung bezahlen, wären sie längst pleite, da sie nach allen Maßsstäbe fundamental schelchter da stehen, als Europa und auf ihre Notenpresse angewiesen sind. Um davon abzulenken und den Euro zu schwächen, wird die Eurokrise angefeuert. Ich habe gestern einen Bericht auf Phoenix gesehen, der als Hintermännder der Krisen in Ecuador (1981), Panama (1981) und dem Irak (2003) die amerikanische Wirtschaftsmafia beschuldigt. Im Irak wissen wir, dass der Vorwand Chemie- nd Biowaffen nur vorgeschoben war, um dort einzumarschieren. Tatsächlich wollte wohl der verrückte Saddam nicht mehr nach der Pfeife der Amis tanzen.
    anbei der Link: http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/im_dienst_der_wirtschaftsmafia/324095?datum=2013-01-02

    Die Eurokrise und gerade der Fall Griechenland zeigt hierzu erstaunliche Parallelen. Was daran stimmt und was nicht kann ich nicht beurteilen. Aber der Bericht hat einen schon lange von mir dahingehend bestehenden Verdacht bestätigt.

  • Ach so der Haushaltskompromiss ist das also......ich dachte nun tatsächlich die halten sich mit Tonnen an täglich frisch gedrucktem Geld über Wasser...sowas...

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