Fiskalklippe: Wie tief wird der Sturz?

Fiskalklippe
Wie tief wird der Sturz?

Angespannte Nerven in Washington: Erst schien eine Einigung im zähen Haushaltsstreit nahe. Doch dann fielen die Politiker wieder über sich her. Doch was wären die Folgen eines Scheiterns? Experten sind alarmiert.
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WashingtonWenn alle laut durcheinander reden und niemand mehr so richtig durchblickt, da braucht es manchmal jemanden von außen, der richtig auf den Tisch haut. Und alle Beteiligten daran erinnert, was hier eigentlich auf dem Spiel steht. In der zähen Haushaltsdebatte in Washington war es an der Ratingagentur Fitch, die Rolle des strengen Mahners zu übernehmen. Sollten sich die Verhandlungen bis ins Jahr 2013 ziehen und die Unsicherheit damit fortbestehen, so drohten die Experten, werde man die Bonität der USA noch einmal kritisch überprüfen. „Mit der Möglichkeit, dass dies zu einer negativen Rating-Aktion führt“.

Sprich: Sollte sich die Politik nicht bis zum Jahresende auf einen Haushalts-Deal und auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, läuft Amerika Gefahr, nach Standard & Poor's auch bei Fitch seine Top-Bonitätsnote zu verlieren. Die Warnung vom Mittwoch ist nur eine vieler Horrorszenarien, die dem zarten Aufschwung der US-Wirtschaft im kommenden Jahr drohen.

Zwölf Tage haben Präsident Barack Obama und sein republikanischer Verhandlungspartner John Boehner noch, um die USA vor einem Sturz vom so genannten „Fiscal Cliff“ zu bewahren, zu Deutsch „Fiskalklippe“ oder „Haushaltsklippe“. Wenige Tage vor Ablauf der Frist zur Umschiffung der „Fiskalklippe“ verhärtet sich nun der Haushaltsstreit. Die Republikaner im Repräsentantenhaus haben am Donnerstagabend eine von ihnen angestrebte Abstimmung über Steuererhöhungen für Superreiche mit mehr als einer Million Dollar Jahreseinkommen überraschend abgesagt. Ihr Mehrheitsführer Boehner habe befürchtet, nicht die erforderlichen Stimmen zusammenzubekommen, berichtete der TV-Sender MSNBC. Offenbar drohten radikale Republikaner, ihre Ablehnung gegen jede Art von Steuererhöhung wahrzumachen.

Die „Fiskalklippe“ beschreibt bildlich, was die Märkte seit langem fürchten: Zum Jahreswechsel laufen für alle Amerikaner Steuervergünstigungen aus, gleichzeitig werden automatische Kürzungen im Haushalt greifen. Bis zu 607 Milliarden Dollar, schätzt etwa das überparteiliche Congressional Budget Office (CBO), könnten so auf einen Schlag der Volkswirtschaft entzogen werden. Zudem würde die Unsicherheit bei Unternehmen und Konsumenten fortbestehen und Investitionen verhindern.

Ein Schock, der Amerika nach Ansicht von Ökonomen sogar in die Rezession zurückwerfen könnte. Moody's Analytics fürchtet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 3,2 Prozent, die Bank of America rechnet im schlimmsten Fall sogar mit 4,6 Prozent. Morgan Stanley toppt in ihrem Worst-Case-Szenario auch noch diese Zahl: Die Investmentbank hält sogar ein Minus von fünf Prozent für möglich.

Auch für das Wirtschaftswachstum sähe es nicht gut aus: Das CBO fürchtet, ein Sturz von der Klippe könnte die USA im kommenden Jahr 0,5 Prozentpunkte Wachstum kosten, JP Morgan geht von bis zu 0,6 Punkten aus. Ein empfindlicher Schlag angesichts der ohnehin mageren Schätzungen von einem Zwei-Prozent-Plus 2013. Die USA würden von anderen Volkswirtschaften nur die Rücklichter sehen.

Die Folge: Die Arbeitslosenquote würde laut CBO im kommenden Jahr von derzeit 7,7 auf 9,1 Prozent ansteigen. Weitere Auswirkungen: Der Aktienindex S&P könnte im schlimmsten Fall auf 1.000 einstürzen, hat die UBS errechnet. Betroffen wären auch die Energiepreise: Ein Einbruch der Nachfrage könnte das Fass WTI-Öl auf 55 Dollar drücken, so die Schweizer Bank.

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Das Ultra-Alptraum-Szenario

Kommentare zu " Fiskalklippe: Wie tief wird der Sturz?"

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  • Zitat: "Sollten die USA jedoch über die Klippe fallen und sich die Politiker auch noch „dabei anschreien“, so der Experte, „ist das ein monumentales Versagen der Regierung in der Haushaltspolitik“.

    Nein, es ist ein monumentales Versagen der Regierung und ihrer Vorgänger, dass es nur noch darum geht, wieviele Schulden man mehr macht. Wir reden ja gar nicht mehr von Abbau oder Entschuldung. Warum auch, wenn's mal zuviel wird, wird eben die Druckpresse angeschmissen oder ein kleiner Schuldenschnitt gemacht.

    Mein Opa hat immer gesagt "man ist ein guter Kaufmann, wenn man im Monat mehr einnimmt als man ausgibt." Recht hatte er!

    Shame on you, USA!

  • Die vermeintliche Fiskalklippe ist eine Erfindung des US-Senders CNBC. Lesen Sie hier:
    http://www.bluemelstaunt.com/2012/12/seltsamer-medialer-shit-sturm.html

  • Rating-Agenturen, Pharisäer der Neuzeit in Schutt und Asche? Mitnichten, wer so gebraucht wird, bleibt unverzichtbar. Wann kommt eigentlich die Aufsicht über solche Läden?

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