Fiskus in Not
Griechische Ladenbesitzer attackieren Steuerfahnder

In Griechenland müssen Gastronomen Mehrwertsteuer abführen. Einigen Tavernenbesitzern wollte das nicht einleuchten - kurzerhand attackierten sie Steuerfahnder nach einer Festnahme. Die Polizei musste Verstärkung rufen.
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AthenDie Steuerhinterziehung blüht in den Sommermonaten in den Touristenzenten Griechenlands. Und sie nimmt nach Berichten des griechischen Fernsehens immer „schamlosere“ Dimensionen an. Aus Wut auf Steuerfahnder haben aufgebrachte Einwohner der griechischen Insel Hydra in der Nacht zu Samstag eine Polizeistation belagert. Der Grund: Steuerfahnder hatten zuvor den Besitzer einer der bekanntesten Tavernen der vor Athen liegenden Insel festgenommen, weil er und seine Mutter keine Quittungen ausgaben. Die Steuerfahnder wurden auf dem Weg zur Polizeistation attackiert.

Die Regierung in Athen verurteile den Zwischenfall scharf. „Wir (die Regierung) sind entschlossen, dieses katastrophale und ungerechte Benehmen zu beenden“, erklärte der griechische Regierungssprecher, Simos Kedikoglou, am Sonntag im Fernsehen. Das Phänomen müsse „zerschlagen werden“, hieß es.

Die Demonstranten schleuderten Steine auf die Polizeistation und durchtrennten die Stromleitung der Polizeistation, berichtete das griechische Fernsehen weiter. Aufgebrachte Bürger verhinderten im Hafen von Hydra außerdem das Anlegen eines Bootes, mit dem der festgenommene Tavernenbesitzer nach Piräus zur Staatsanwaltschaft gebracht werden sollte.

Am Samstagnachmittag kamen Bereitschaftspolizisten aus der Hafenstadt Piräus auf die Insel, um die Steuerfahnder zu befreien, hieß es. Wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa sagten, warfen die Ladenbesitzer den Steuerfahndern vor, sie mit ihren Kontrollen „fertig machen zu wollen“. „Wir haben kaum noch Arbeit und die (die Steuerfahnder) nehmen uns noch fest“, sagte ein Barbesitzer.

Die griechische Presse kritisierte dieses Verhalten. In Zeiten der schweren Finanzkrise sei es eine „Frechheit“, dass einige Menschen sich zulasten der Gesellschaft bereicherten und eine Art Rebellion gegen den Staat starteten, hieß es im Fernsehen. Am Sonntag wurden die Kontrollen auf Hydra ohne weitere Zwischenfälle mit starker Polizeipräsenz fortgesetzt. Dabei wurden keine Unregelmäßigkeiten mehr festgestellt, berichtete das Staatsradio unter Berufung auf die Steuerfahndung. „Wir verurteilen die Gewalt“, sagte der Bürgermeister von Hydra, Angelos Kotronis, im Fernsehen. Das Gesetz müsse respektiert werden.

Bei Kontrollen der Steuerfahndungsbehörde wurden Anfang August mehr als 600 Restaurants, Bars und Tavernen sowie andere touristische Unternehmen kontrolliert. Dabei wurden 2010 steuerliche Unregelmäßigkeiten festgestellt. In den meisten Fällen gaben die Unternehmer keine Quittungen aus. Dabei kassierten sie zwar die Mehrwertsteuer, steckten sie aber in die eigene Tasche, sagte ein Mitarbeiter der Steuerfahndung der Nachrichtenagentur dpa.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Fiskus in Not: Griechische Ladenbesitzer attackieren Steuerfahnder"

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  • Bei den ganzen Griechenland-Bashing mal eine Frage in die Runde:

    Kennt hier ein einziger einen Gastwirt in Deutschland, der seine Einnahmen vollständig beim Finanzamt erklärt? Also die Umsatzsteuer aus den Einnahmen auch wirklich vollständig an das Finanzamt abführt?

    Ich bin ja auch der Meinung, das die politische Elite in GR durch und durch korrupt ist, aber das geschilderte Beispiel ist nun wirklich kein ausschließlich griechisches Problem!

  • Griechische Ladenbesitzer attackieren Steuerfahnder
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    Wo sind denn jetzt die Verteidiger der "kleinen Griechen", die gar nichts dafür können, dass ihre Eliten das Land heruntergewirtschaftet haben? Es sind eben genau diese kleinen Griechen, die jahrelang Renten von ihren verstorbenen Angehörigen kassiert haben; die Olivenhaine en masse nach Brüssel gemeldet haben, die gar nicht existieren; die sich lautstark bei ihren Gewerkschaften 14 Monatsgehälter sichern ließen; die für das Bedienen eines Kopierers pro Monat 400 € extra erhalten; die mit obszönen 55 Jahren in Rente gehen dürfen, bei 90% ihrer letzten Bezüge, die das Land verdorben haben. Und jetzt wo ihre obszöne Party endlich vorbei ist, wollen sie noch immer nicht einsehen, dass es wie bisher nicht weitergehen kann. Aber dreist und unverschämt unser Geld fordern, das die Deutschen bis ans Ende aller Tage den korrupten Griechen in den wunden Anus stecken sollen! Diesem Land zu helfen bedeutet, sich im höchsten Maße lächerlich zu machen.

  • Der kleine Tavernenbesitzer soll die Zinsen der Superreichen bezahlen und der griechische Reeder freut sich steuerfrei in Monaco.
    Griechen wehrt euch. Es muss wieder Gerechtigkeit herrschen. Jeder muss seine Steuern bezahlen. Und bei den Superreichen und Poltikern muss man damit anfangen. Griechische Polizei: Prügelt nicht auf eure Brüder und Schwestern ein. Die wirklichen Verbrecher sucht woanders.

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