Fitch
Frankreich verliert letztes Spitzen-Rating

Hiobsbotschaft für Frankreich: Die Ratingagentur Fitch hat dem Land die Topnote entzogen - als eine der letzten großen Agenturen. Auch für Italien gab es am Freitag weitere schlechte Nachrichten.
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London/FrankfurtNackenschlag für das unter Reformdruck stehende Frankreich: Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft im Euroraum hat auch bei der Ratingagentur Fitch ihre Topnote verloren. Wie Fitch am Freitagabend mitteilte, sinkt das Rating um eine Note von „AAA“ auf „AA+“. Der Ausblick für das Land wurde auf stabil gesetzt, weswegen in absehbarer Zeit zunächst keine weitere Abstufung droht.

Fitch war die letzte der drei großen Ratingagenturen, die Frankreichs Kreditwürdigkeit noch mit Triple-A bewertet hatte. Bei Standard & Poor's und Moody's war die Topnote schon lange zuvor gefallen. Die Finanzmärkte nahmen die Entscheidung daher mit Gelassenheit auf, größere Bewegungen beim Euro gab es nicht.

Fitch begründet seine Entscheidung in erster Linie mit dem hohen Schuldenstand Frankreichs, der auch auf längere Sicht nur langsam sinken dürfte. 2014 dürfte die Schuldenquote - also das Verhältnis des Schuldenbergs zur jährlichen Wirtschaftsleistung - ihren Höhepunkt bei 94 Prozent erreichen, erwarten die Bonitätswächter. Bis 2017 dürfte die Quote nur leicht auf 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Dies überschreitet die Grenze, die Fitch mit der Bestnote für vereinbar hält. Auch liege die Verschuldung Frankreichs höher als bei den meisten anderen mit Trippe-A bewerteten Staaten.

Zusätzlich belastet werde die Kassenlage Frankreichs durch den ungewissen Wachstumsausblick, argumentiert Fitch. Konjunkturlage und -ausblick hätten sich zuletzt substanziell eingetrübt. Die Agentur verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit, die schwache Nachfrage aus dem Ausland sowie die geringere Wettbewerbsfähigkeit. Die unter der sozialistischen Regierung angestoßenen Strukturreformen werden zwar gelobt, fraglich seien aber deren Wirkung und vollständige Umsetzung.

Auch für Italien gab es am Freitag schlechte Nachrichten von Ratingagenturen: Standard & Poor’s stufte nach der Kreditwürdigkeit Italiens am Dienstag nun auch die italienischer Finanzhäuser herunter. So senkte die US-Ratingagentur am Freitag die Einstufung für die Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo um jeweils eine Stufe von „BBB+“ auf „BBB“.

Die Bewertung für den Versicherer Generali fiel von „A“ auf „A-“. In allen drei Fällen sei der Ausblick negativ, hieß es. Das heißt, es ist mit weiteren Herabstufungen zu rechnen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Fitch: Frankreich verliert letztes Spitzen-Rating "

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  • @ALFRED
    Sind the big-three ein Ort der Gerechtichkeit etc? Folgen diese klare Standards? Gelten diese Standards auch bei den Bewertungen der angelsächsichen Länder?

  • Ja, der EURO mit allen Verpflichtungen war Versaille ohne Krieg!

    Nur, bei der sich abzeichnenden Strangulierung Deutschlands,
    sind unsere Freunde, die nur unser Bestes wollen, nämlich
    Geld und Nibelungentreue, noch tiefer im Keller!

  • Mai 2010: New York Times publiziert eine simple Grafik mit
    Titel "Europe`s web of Dept" der 5 PIIGS und den Gläubigerforderungen von Frankreich, Großbritanien, Deutschland. Dazu google man die Statistiken u. a. der Weltbank zu diesen 8 Staaten, aktuell 2013. Man blicke zurück, voraus als Optimist. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, dabei i. d. R. nicht im Sommer,
    mehr im Herbst. Wie sagte mir just ein regionaler Banker
    in einem Institut in Buxtehude: "Dein Sparkonto bei uns war mal ein Sparkonto, heute betrachte es als Spendenkonto,
    trotzdem für uns bist Du noch AAA"...

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