Fitch wertet Ungarn ab
Nationalismus hat seinen Preis

Für die Alleingänge seines Ministerpräsidenten Orban muss Ungarn büßen: Investoren verlassen das Land, die Währung geht auf Talfahrt, die Bonität erodiert. Jetzt schlägt die nächste Ratingagentur zu.
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WienImmerhin hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban den Ernst der Lage erkannt. Am Freitagmorgen rief er seine engsten Vertrauten zusammen mit Notenbank-Chef Andras Simor zur Krisensitzung in der Budapester Staatskanzlei zusammen. Ungarns politische Führung hat eine harte Woche hinter sich: Ausländische Investoren sind scharenweise dabei, ihre Koffer in Ungarn zu packen.

Mit ihrer zweifelhaften Wirtschaftspolitik verschreckt die Führung in Budapest Investoren aus dem Ausland von Tag zu Tag mehr. Die Flucht aus ungarischen Vermögenswerten hat eingesetzt, die Landeswährung Forint verlor diese Woche zum Euro täglich etwa ein Prozent an Wert. Ungarische Staatsanleihen konnten nur noch mit extrem hohen Zinsaufschlägen verkauft werden, knapp zehn Prozent wurden am Donnerstag für einjährige ungarische Anleihen verlangt.

Auslöser der jüngsten Krise war das mögliche Scheitern der Verhandlungen mit IWF und EU über ein neues milliardenschweres Hilfspaket. Als letzte der drei großen Ratingagenturen setzte nun auch Fitch ungarische Staatsanleihen am Freitag auf Ramsch-Niveau („Junk“).

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung in Budapest internationale Anleger und die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Seit bald zwei Jahren regiert Ministerpräsident Viktor Orban, und selten vergeht ein Monat, an dem nicht wieder etwas Neues und Unvorhergesehenes passiert. Er selbst spricht von „unorthodoxen Maßnahmen“, die sich die Regierung in Budapest in regelmäßigen Abständen einfallen lässt.

Außerhalb Ungarns werden die Lage des Landes und die Wirtschaftspolitik der Regierung ganz anders gesehen. „Ungarn hat es nie geschafft, aus der Krise herauszukommen“, sagt Raiffeisen-Vorstandschef Herbert Stepic im Handelsblatt-Interview. Das Land sei inzwischen gut mit den Problemländern innerhalb der Euro-Zone vergleichbar.

Was auch bedeutet, dass sich Ungarn in Richtung Zahlungsunfähigkeit bewegt. Und der Bankmanager aus Wien weiß ziemlich genau, wovon er spricht. Denn die österreichische Raiffeisen-Gruppe gehört zu den großen Spielern in Osteuropa und ist auch in Ungarn stark vertreten.

Kommentare zu " Fitch wertet Ungarn ab: Nationalismus hat seinen Preis"

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  • sollte ungarns notenbank so unabhängig wie die fed werden, oder was? die fed ist zwar sehr unabhängig vom staat, aber als reine vereinigung von privatbanken weiß sie schon, wessen lied sie zu singen hat...

  • Eine Gleichschaltung aller relevanten Institutionen, die o.g. antisemitische Propaganda und eine extreme Minderheitenpolitik ggü. Sinti und Roma, "Heim ins Reich"- Politik (Orban wollte alle Auslandsungarn automatisch zu ungarischen Staatsbürgern machen), Erbhöfe für Parteigenossen, dies alles weckt üble Erinnerungen. Die Kapitalmärkte sanktionieren Ungarn zu Recht und mit jedem Mittel: Absturz des Forint, CDS explodieren, und Ungarn bettelt um Finanzmittel bei der EU und dem IWF. Hier sollte ein Exempel statuiert werden: Finger weg von der Zentralbank, Pressefreiheit und unabhängige Justiz müssen in jedem Land der EU gewährleistet werden!

  • Man kann ja über "die" (pösen) Finanzmärkte sagen, was man will, aber im Moment machen sie die Drecksarbeit, die "die" Politik sich nach der Österreichpleite mit Haider nicht so recht traut.

    Einige, die hier immer irgendwelche Verschwörungsstories plärren, würden sich in Ungarn sehr wohl fühlen - dort schreibt die rechte Presse über "jüdische Banken-Verschwörungen", um zu erklären, warum der Puszta-Putin und seine rechten Schlägerbanden die Sache so gründlich versemmeln.

    Danke, liebe Finanzmärkte ;-)

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