Fliegende Molotow-Cocktails
Radikale drohen mit Anschlägen

Dutzende iranische Studenten griffen am Freitag Abend auch die französische Botschaft an. Sie bewarfen das Gebäude mit Steinen sowie Molotow-Cocktails und skandierten „Tod Frankreich“, „Tod Dänemark“ und „Tod Europa“.

HB GAZA-STADT/TEHERAN. Nach den Freitagsgebeten ist es in der moslemischen Welt wieder zu Massenprotesten und Anschlagsdrohungen wegen der Mohammed-Karikaturen gekommen. Die radikale Palästinenser-Gruppe Islamischer Dschihad kündigte Anschläge auf Staaten an, in denen die Zeichnungen weiter veröffentlicht werden. In mehreren Ländern skandierten zehntausende Menschen europafeindliche Parolen.

Geistliche in Saudi-Arabien und im Iran forderten eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Karikaturen, aber auch ein Ende der Gewalt. Während in Schweden eine Internetseite mit den Karikaturen abgeschaltet wurde, rief der Bundestag zur Verteidigung der Meinungsfreiheit auf. Der für Selbstmordanschläge in Israel verantwortliche Dschihad kündigte an, Mohammed „mit unseren Seelen und unserem Blut verteidigen“. Dschihad-Anführer Chader Habib sagte in Gaza-Stadt, bislang habe seine Gruppe nur eine Entschuldigung der Regierungen verlangt. „Wenn sie aber ihre Angriffe auf unseren geliebten Propheten Mohammed fortsetzen, werden wir den Boden unter ihren Füßen anzünden“, drohte er, während seine Anhänger in die Luft schossen. Es war die erste derartige Ankündigung einer Palästinenser-Gruppe. Andere Organisationen haben gedroht, Europäer als Geiseln zu nehmen.

In den vergangenen Tagen haben Moslems teils gewaltsam gegen die Zeichnungen protestiert, die Mohammed unter anderem mit einer Bombe im Turban abbilden. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Die Karikaturen waren zuerst von einer dänischen Zeitung veröffentlicht und dann von mehreren europäischen Blättern nachgedruckt worden. Der zuständige Redakteur der „Jyllands-Posten“ ist beurlaubt worden. Dänemark hat Forderungen nach einer Entschuldigung zurückgewiesen.

„Diese verabscheuungswürdigen Europäer“

In Amman marschierten zehntausende Jordanier zur Vertretung der Europäischen Union. Die Beleidigung von Moslems sei eine Kriegserklärung, riefen sie. „Diese abscheulichen, verabscheuungswürdigen Europäer, die uns beleidigen - wir werden sie mit unseren Schuhen niedertrampeln“, riefen sie. Der Protest blieb friedlich. Dagegen hinderte die Polizei in Bangladesch 10 000 wütende Demonstranten nur mit Gewalt daran, die dänische Botschaft in Dhaka zu stürmen. In Kenia setzte die Polizei Schusswaffen gegen hunderte Demonstranten ein, die gegen die Karikaturen in Nairobi protestierten. Mindestens eine Person wurde dabei verletzt. Auch in der Türkei, in Sri Lanka, Afghanistan, dem Iran, Indien und Malaysia gab es Proteste.

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