Flucht über das Mittelmeer
„Schiff der Flüchtlingskinder“ in Italien angekommen

So viele Kinder auf einem Rettungsschiff hat man in Italien selten gesehen. Das jüngste war noch nicht mal eine Woche alt. Öffnet sich die Fluchtroute über Libyen wieder?
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RomEin Rettungsschiff mit ungewöhnlich vielen Flüchtlingskindern an Bord ist in Italien angekommen. Von den mehr als 600 Geretteten seien 40 Prozent Kinder und Jugendliche, teilte die Hilfsorganisation SOS Mediterranee mit. Als erstes wurde ein sechs Tage altes Baby im Hafen von Palermo von Bord geholt, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag twitterte. Auf dem Boot waren viele Minderjährige und Familien aus Syrien. Zugleich kritisierte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte den Umgang mit Flüchtlingen in Libyen.

Laut SOS Mediterranee berichteten die meisten Migranten von schweren Misshandlungen in Libyen. Frauen erzählten von wiederholter sexueller Gewalt und mehreren Monaten Gefangenschaft in dem Bürgerkriegsland. In weniger als 36 Stunden sei das Rettungsschiff „Aquarius“ mehr als sieben Mal vor der libyschen Küste im Einsatz gewesen. An Bord waren auch elf schwangere Frauen. SOS Mediterranee ist eine deutsch-französisch-italienische Hilfsorganisation.

In Videos war unter anderem zu sehen, wie Kinder auf dem Rettungsschiff Bilder von Gewalt und Folter, die sie während der Flucht erlitten, gemalt hatten. Warum so viele Kinder auf dem Schiff waren, konnte eine SOS-Sprecherin nicht sagen. Ungewöhnlich sei auch, dass verhältnismäßig viele Syrer auf der Route unterwegs waren.

In letzter Zeit waren in Italien wesentlich weniger Migranten aus Libyen angekommen. Grund dafür ist ein umstrittenes Abkommen der Regierung in Rom mit der libyschen Küstenwache, die Migranten in dem Bürgerkriegsland halten soll.

Beim ersten Besuch eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Libyen seit fast 40 Jahren sagte Amtsinhaber Seid Rad al-Hussein, die Herausforderungen seien massiv. Die von den UN unterstützte Regierung könne und solle die Führung übernehmen und müsse vor allem andere Lösungen als willkürliche Verhaftungen von Migranten finden.

Derweil strandeten 10 000 Flüchtlinge wegen schwerer Kämpfe in der Nähe von Sabratha rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk in Genf berichtete. Kinder hätten ihre Eltern verloren und viele Menschen hätten keine Schuhe oder Kleidung mehr. Sie kampierten unter freiem Himmel. Ärzte haben Krätze, Durchfall und Asthma festgestellt und die Menschen seien schwer traumatisiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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