Flucht und Heuchelei: Wie Ben Ali und Mubarak sich retten wollen

Flucht und Heuchelei
Wie Ben Ali und Mubarak sich retten wollen

Tunesien verlangt von Saudi-Arabien die Auslieferung von Ex-Diktator Ben Ali. Ägyptens gestürzter Pharao Mubarak versucht sich mit gepflegtem Understatement zu retten: Angeblich hat er gar kein Vermögen zusammengerafft.
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Tunis/KairoSie können flüchten, aber sie können sich nicht länger verstecken: Für die gestürzten Präsidenten Ben Ali und Mubarak wird es eng. Beide versuchen sich einer Strafverfolgung für ihre Vergehen zu entziehen. Tunesiens gestürzter Präsident hat sich mit Ausflüchten gar nicht lange aufgehalten - er flüchtete ins sicher geglaubte Exil nach Saudi-Arabien. Doch dort findet Ben Ali keine Ruhe: Tunesiens Übergangsregierung verlangt von Saudi-Arabien nun die Auslieferung des Ex-Diktators.

Ben Ali solle wegen des harten Vorgehens gegen Demonstranten der Prozess gemacht werden, teilte das Außenministerium in Tunis am Sonntag mit. Nach Angaben der Vereinten Nationen kamen bei den Protesten mehr als 140 Menschen ums Leben. Nach 23 Jahren an der Macht war Ben Ali am 14. Januar auf dem Höhepunkt eines Volksaufstandes zurückgetreten und nach Saudi-Arabien ins Exil geflüchtet. Die Übergangsregierung versucht zudem, das durch Ben Ali und sein Umfeld veruntreute Vermögen zurückzugewinnen: Ben Ali und seine Frau hatten sich mit 1,5 Tonnen Gold im Gepäck ins Ausland abgesetzt.

Egal wie viel Gold er mitgenommen hat: Ben Ali dürfte seinen unfreiwillig vorgezogenen Ruhestand kaum genießen können. Die tunesische Regierung hat Saudi-Arabien um Auskunft gebeten, ob der ex-Diktator tot ist: In jüngster Zeit hatte es Gerüchte gegeben, Ben Ali sei schwer erkrankt oder sogar bereits gestorben. Zudem wollen Bundesregierung und die EU seine Konten in Europa sperren lassen.

Auch Ägyptens gefallener Pharao Mubarak geht es gesundheitlich seit seinem Rücktritt sehr schlecht. Laut Berichten in ägyptischen Medien soll er seit seinem Rücktritt ins Koma gefallen sein. Ansonsten setzt Mubarak auf eine Ausweichstrategie der ganz besonderen Art: Laut Berichten staatlicher ägyptischer Medien hat er angeblich kein Vermögen im Ausland. Mubarak habe den Behörden eine Vermögensaufstellung vorgelegt, so wie jedes Jahr seit seinem Amtsantritt 1981, hieß es.

Das Staatsfernsehen und die amtliche Nachrichtenagentur MENA zitierten einen Rechtsvertreter Mubaraks, der Berichte über ungeheure Reichtümer des Ex-Präsidenten bestritt. Derartige Medienberichte bezeichnete er demnach als bösartige Gerüchte, die das Erbe Mubaraks beschädigen sollen. Einzelheiten aus Mubaraks Vermögensaufstellung wurden unterdessen nicht bekannt - auch nicht, ob sie vor oder nach seinem Abgang erstellt wurde. Allerdings sagte sein Rechtsvertreter Mubarak habe kein Vermögen im Ausland. Die Schätzungen des Vermögens der Mubarak-Familie liegen zwischen einer Milliarde Dollar (750 Millionen Euro) und 70 Milliarden Dollar.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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