Flucht vor steigenden Löhnen
Automobilindustrie erkundet Standort Serbien

Für europäische Konzerne könnte Serbien ein attraktiver Industriestandort sein. Das Balkanland bietet der Autobranche günstige Arbeitskosten und Zugang zu einem großen Markt. Aber im Vorfeld der vorgezogenen Wahl am 11. Mai wird die Wirtschaft zur Geisel der Politik.

BERLIN/BELGRAD. "Die Wirtschaftslage in Serbien verschlechtert sich und wird bei einem negativen Wahlergebnis noch viel schlimmer", warnt der Belgrader Ökonom Miroslav Prokopijevic.

Ausländische Anleger ziehen sich von der Belgrader Börse zurück, die Deutsche Bank hat Finanzgarantien für zwei im Privatisierungsprozess befindliche serbische Firmen gestoppt. Das zeige die wachsende Verunsicherung der Investoren. Die Regierungskoalition aus Liberalen der Partei von Präsident Boris Tadic und gemäßigten Nationalisten um Premier Vojislav Kostunica war geplatzt, weil sie sich nicht auf eine Kosovo-Politik hatte einigen können. Nach der Wahl droht nun eine Koalition Kostunicas mit den radikalen Nationalisten. Damit würde sich der größte Nachfolgestaat Jugoslawiens weiter von der EU entfernen und bei Privatisierungen in die Fänge Russlands geraten.

Kostunica lehnt das von der EU angebotene Stabilitäts- und Assoziierungs-Abkommen (SAA) ab, weil Serbien damit die Unabhängigkeit des Kosovos faktisch anerkennen würde. Das SAA würde Serbien enger an Europa binden und brächte Auslandsinvestoren mehr Sicherheit.

Gerade für Investoren aus EU-Staaten wird Serbien als Standort immer attraktiver: Wegen rasant wachsender Löhne und knapper Arbeitskräfte in den neuen EU-Mitgliedstaaten versuchten immer mehr Firmen, sich mit Produktionsstandorten in Serbien anzusiedeln. Das berichten serbische und ausländische Industrieverbände in Belgrad.

Für Serbien spräche die "steigende KFZ-Nachfrage auf dem Balkan, niedrige Steuer-, Energie- und Lohnkosten", berichtet die Bundesagentur für Außenwirtschaft. Serbien gehört dem mitteleuropäischen Freihandelsabkommen Cefta an, einem Wirtschaftsraum von (inklusive Ukraine) 80 Mill. Menschen in einer Boomregion.

Gerade im Automobilbereich verlagern Produzenten ihre Werke aus Rumänien nach Serbien: Neben dem amerikanischen Zulieferer-Riesen Delphi planen auch deutsche KFZ-Teileproduzenten wie Grammer, Dräxlmaier, Bauerhin und Styria Federn und die deutschen Autobauer Opel und Volkswagen ähnliche Schritte.

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