Flüchtligsdrama im Mittelmeer
Renzi will Leichen von Hunderten Bootsflüchtlingen bergen lassen

Mehr als 700 Flüchtlinge kenterten im April vor der italienischen Küste. Bis zu 600 der Passagiere ertranken. Nun will Italiens Premier Matteo Renzi sie bergen lassen – und setzt damit ein drastisches Zeichen.
  • 0

RomAngesichts des Widerstands in der EU gegen eine Quote zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen hat Italiens Regierungschef Matteo Renzi eine drastische Maßnahme angekündigt: Italien werde die Leichen von hunderten Flüchtlingen bergen, die im April nach dem Kentern eines einzelnen Boots im Mittelmeer ums Leben gekommen waren, kündigte Renzi am Dienstag in einem Fernsehinterview an.

„Wir werden an den Meeresgrund gehen und dieses Boot bergen“, sagte er. „Dort unten sind 500 bis 600 Leichen. Die ganze Welt soll sehen, was geschehen ist“, fügte der Ministerpräsident hinzu. Damit wolle er bewirken, „dass diejenigen, die vorgeben, nichts gesehen zu haben, damit aufhören“. Renzi wandte sich damit gegen die vielen EU-Länder, die eine Quote zur Verteilung der vielen Flüchtlinge ablehnen.

Flüchtlingsrouten nach Europa <--! Unglücksstelle 1-->
Unglücksstelle

11.02.2015 - 330 Tote

3.10.2014 - 366 Tote

4.08.2011 - 125 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 1 --> <--! Unglücksstelle 2 -->
Unglücksstelle

29.07.2015 - 150 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 2 --> <--! Unglücksstelle 3 -->
Unglücksstelle

19.04.2015 - 700 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 3 --> <--! Unglücksstelle 4 -->
Unglücksstelle

1.06.2011 - 270 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 4 --> <--! Unglücksstelle 5 -->
Unglücksstelle

15.09.2014 - 500 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 5 --> <--! Unglücksstelle 6 -->
Unglücksstelle

11.06.2012 - 54 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 6 --> <--! Unglücksstelle 7 -->
Unglücksstelle

4.11.2014 - 24 Tote

<--! Ende Unglücksstelle 7 --> <--! 1.Westafrikanische Route -->
Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2006-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Marokko: 52
- Guinea: 50
- Senegal: 26

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2009-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Algerien (See): 734
- Kamerun: 1497
- Mali: 669 (Land)

<--! 3. Zentrale Mittelmeer-Route -->
Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2008-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Syrien: 39.651
- Eritrea: 33.559
- Unbekannt: 26.340

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2009-2013

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Jan-Jun): 7.751

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Syrien: 3.040
- Nigeria: 684
- Eritrea: 475

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2008-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 4- Herkunftsländer der Migranten
- Syrien: 48.075
- Afghanistan: 12.475
- Somalia: 1.621 (Sea)
- Irak: 483 (Land)

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2009-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Kosovo: 22.059
- Afghanistan: 8.342
- Syrien: 7.320

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2009-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Vietnam: 257
- Afghanistan: 209
- Georgien: 171

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2008-2014

Irreguläre Grenzübertritte 2014

Top 3- Herkunftsländer der Migranten
- Albanien: 8.757
- Mazedonien: 31
- Georgien: 14

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2015

Renzi führte aus, die Bergungsaktion werde voraussichtlich „zwischen 15 und 20 Millionen Euro“ kosten. „Ich hoffe, die Europäische Union bezahlt, wenn nicht, machen wir das“, fügte der italienische Regierungschef hinzu.

An Bord des Flüchtlingsboots waren mehr als 700 Menschen gewesen, darunter auch Kinder. Sein Untergang vor der libyschen Küste hatte den dringenden Handlungsbedarf angesichts der Flüchtlingskrise im Mittelmeer deutlich gemacht, die EU setzte einen Sondergipfel an.

Vorige Woche stellte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sein Vorhaben vor, die Flüchtlinge künftig mit einer Quote gerechter auf die EU-Mitgliedstaaten zu verteilen, um die Mittelmeer-Anrainer wie Italien und Griechenland zu entlasten. Etwa ein Dutzend Mitgliedstaaten, darunter Großbritannien, Frankreich, Spanien und Ungarn, lehnen das Vorhaben jedoch ab.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Flüchtligsdrama im Mittelmeer: Renzi will Leichen von Hunderten Bootsflüchtlingen bergen lassen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%