Flüchtline aus dem Libanon
Zu viele Traumschiffe in Zypern

Seit der Eskalation des Kriegs in Nahost retten sich Zehntausende Flüchtlinge aus dem Libanon auf die Mittelmeerinsel Zypern. Größte Sorge des Ministaates ist, dass zu viele von ihnen auf der Insel stranden könnten. Eine Handelsblatt-Reportage.

LARNAKA. Die Schiffe im Hafen von Larnaka heißen „Orient Queen“, „Blue Dawn“ oder „Serenade“. Das klingt nach Traumschiff, Cocktails auf dem Sonnendeck und Captain’s Dinner. Aber es sind keine Kreuzfahrtgäste, die von Bord gehen, die nun Nacht für Nacht in Zypern einlaufen.

Es sind erschöpfte, traumatisierte Menschen wie Amin Elhage Ale. Der Maurer, der mit einer Deutschen verheiratet ist und seit drei Jahren im westfälischen Ibbenbüren lebt, war im Südlibanon zu Besuch bei seinen vier Kindern, als vor zwei Wochen die israelischen Angriffe begannen.

Nach zehn Tagen gelang es Amin, mit seinen drei Töchtern und seinem Sohn den Hafen von Tyrus zu erreichen. Mit der „Princesa Marissa“, eines vom Auswärtigen Amt gecharterten Kreuzfahrtdampfers, wurde die Familie nach Larnaka evakuiert.

Zwischen Beirut und Larnaka liegen nur 200 Kilometer Meer, deshalb ist die zyprische Stadt der von Beirut aus nächstgelegene sichere Hafen und der kleine Mittelmeerstaat Zypern Drehscheibe für die Evakuierung von Ausländern aus dem Krisengebiet Nahost. Die Passagierlisten der Flüchtlingsschiffe spiegeln das bunte Völkergemisch des Libanons wider: Menschen aus über 60 Nationen gingen bereits in Larnaka an Land.

Meist verbringen sie nur eine oder zwei Nächte in Notunterkünften wie Schulen oder Sporthallen. Dann werden die Flüchtlinge ausgeflogen. Das ist die größte logistische Herausforderung: die Evakuierung über Zypern so zu organisieren, dass die Ankömmlinge möglichst rasch weiterreisen können. Denn mehr als etwa 10 000 Flüchtlinge gleichzeitig kann die Insel nicht versorgen.

„Wir haben unsere Grenzen nicht nur erreicht, sondern überschritten“, sagt der zyprische Regierungssprecher Christodoulos Pasiardis. Seit Tagen klagt die Regierung in Nikosia, die westlichen Staaten täten nicht genug, um Zypern bei der Betreuung ihrer Staatsbürger zu unterstützen: „Die Hilfe entsprach nicht unseren Erwartungen“, sagte Verkehrsminister Charis Thrassou.

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