Flüchtlinge
Der Winter wird lebensgefährlich

Tausende Flüchtlinge sind auf dem Balkan gestrandet. Sie können nicht in die EU einreisen, wollen aber auf keinen Fall umkehren. Häufig leben sie als Obdachlose unter unmenschlichen Bedingungen. Und nun kommt der Winter.

BelgradMohammed Jassin findet kaum Worte, um den Schrecken in seiner Unterkunft zu beschreiben. Der frühere Nachrichtenjournalist aus Afghanistan hat in einem verlassenen Lagerhaus im Zentrum von Belgrad Schutz gesucht. Dort wartet der 28-Jährige nun wie Hunderte andere auf eine Gelegenheit, über die Grenze in die benachbarten EU-Staaten Ungarn und Kroatien zu gelangen.

Rund 1.000 Flüchtlinge sind in dem mit Müll übersäten Gebäude untergekommen. Die verfallene Halle bietet jedoch kaum Schutz vor Regen und Kälte: In den großen Fenstern fehlt das Glas, das Dach leckt und sanitäre Anlagen gibt es nicht. „Wir haben keinen richtigen Platz zum Schlafen oder zum Essen“, sagt Jassin. „Wir haben kein warmes Wasser, um zu baden. Wir leiden hier zu große Not.“

Hilfsorganisationen warnen, auf dem Balkan und in Griechenland lebten Tausende Menschen wie Jassin, in ungeheizten Zelten oder überfüllten Lagern. Nun komme der Winter und die Lage werde sich noch weiter verschlimmern. „Kinder, ältere Menschen und geschwächte Menschen werden vielleicht in diesem Winter auf europäischem Boden sterben, wenn nicht gehandelt wird“, erklärt die Hilfsorganisation International Rescue Comittee (IRC) in dieser Woche.

Viele der obdachlosen Flüchtlinge machten sich auf den Weg in der Hoffnung, in Mitgliedsländer der Europäischen Union zu reisen. Nun sitzen sie entlang der früheren Balkanroute fest, die von der Türkei durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien führt. Die Länder entlang der Route schlossen ihre Grenzen im vergangenen März. Dennoch reisen immer noch Flüchtlinge illegal ein, meist mit Hilfe von Schleppern. Sie brauchen Wochen oder Monate, bis sie ihr Ziel in der EU erreicht haben.

In Serbien berichtet der Leiter des Zentrums für Asylhilfe, Rados Djurovic, bis zu 2.000 Flüchtlinge lebten in Parks und verlassenen Häusern. Mehrere Tausend weitere, zumeist Familien, seien in Flüchtlingslagern untergebracht. Die schwierigen Lebensbedingungen und die fehlende Hoffnung setzten den Menschen zu. Das führe auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

„Schlechtes Wetter und schlechte Umstände haben sie psychologisch und körperlich geschwächt, sie sind gestresst und labil“, sagt Djurovic. „Die Menschen fühlen sich allein gelassen und zurückgesetzt, darum wachsen die Spannungen.“

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Es stinkt nach Urin und Qualm

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